Freitag, 20. September 2013

Interview (Die Welt)

Tödlicher Technikhorror
Der hochmoderne 3D-Film "Lost Place" schockt mit Sound und Strahlen

Eine moderne Schnitzeljagd ("Geocaching"), ein unheimliches Ruinengelände und mittendrin vier ahnungslose Jugendliche, die plötzlich einer zerstörerischen Strahlenbedrohung ausgesetzt sind. Der deutsche Horrorstreifen "Lost Place" ist seit Donnerstag in den Kinos. Katharina Weiß und Nils Mertens sprachen u.a. mit Josefine Preuß über modernste Drehtechnik und den Freitod im Film.

Die Welt:
Ist das Drehen in 3D für die Schauspieler ein großer Unterschied?
Preuß:
Viele Filme werden normal gedreht und dann erst in der Postproduktion 3D gemacht. Wir haben gleich in 3D gedreht, das war eine gute Lehre. Es ist ein unglaublicher Aufwand, eine Szene dauert Stunden. Die Kamera ist ein Riesengerät. Normalerweise kann man die Kamera nach den Schauspielern ausrichten. Das ist in 3D nicht möglich, allein die kleinste Abweichung führt zu Unschärfe.

Wie fühlt sich das Arbeiten vor dem sogenannten Green-screen an?
Preuß:
Man braucht eine gute Vorstellungskraft, grüne und blaue Leinwände vergisst man dann schnell. Aber am Anfang ist es natürlich erst mal seltsam, wenn man mit nichts spielt.

Was ist vom Dreh zu "Lost Place" in Erinnerung geblieben?
Preuß:
Ich kenne meine Kollegen ja schon länger, das war ein sehr witziger, familiärer Dreh.

Frau Preuß, Sie spielen ein junges Mädchen, das von einem schrecklichen Schicksal ereilt wird. Was hat Sie an der Rolle gereizt?
Preuß:
Ich habe noch nie jemanden gespielt, der sich für den Freitod entscheidet. Ich wollte wissen, wann für diese Person der Abschied kommt, und warum. Gerade bei so dicht gezeichneten Rollen, die mit wenig Text angelegt sind, will ich mir trotzdem ausmalen, warum man so handelt. Meine Figur ist plötzlich innerlich von Strahlung zerfressen und spürt für sich die Gewissheit: Fuck, wir kommen hier nicht mehr raus.

Sie haben ja beide schon sehr früh Ihre Berufung für die Filmkunst gefunden. Woran merkt man, dass man sich in seinem Tun sicher sein kann?
Preuß:
Wenn man aufwacht und sich darauf freut, arbeiten zu können. Ich glaube, dass ist das Gefühl. Gerade nach "Adlon" mache ich mir auch überhaupt keine Sorgen mehr, ewig der deflorierte Teenager im deutschen Fernsehen zu bleiben. Ich gehe mit großen Schritten auf die 30 zu, meine Rollen wachsen mit mir – und ich freue mich auf kommende Projekte, wie zum Beispiel "Die Pilgerin", eine ZDF Produktion unter der Regie von Philipp Kadelbach.

Quelle: Die Welt

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