Montag, 9. September 2013

Mutig gegen Hollywood (Zeitjung)

Josefine Preuß im Porträt: Was sie niemals für eine Rolle tun würde und warum es nur einen Grund gibt, in die USA zu gehen.

 

Wir trafen die Schauspielerin im Hotel Brandenburger Hof.
Von Ronja Helene Grabow

Josefine Preuß ist 27 und hat das geschafft, wovon die meisten Schauspieler ihrer Altersklasse nur Träumen können: Von der frechen Teenie-Göre zur ernst zu nehmenden und vor allem viel beschäftigten Schauspielerin.

Die TV-Serie "Türkisch für Anfänger" machte die Berlinerin, die die Schauspielschule im letzten Semester abbrach, deutschlandweit bekannt. Die Rolle der Lena, die sich mit den Irrungen und Wirrungen pubertärer Verliebtheitsdramen, einer multi-kulti Patchworkfamilie und ihrer liebenswerten Eso-Mutti auseinandersetzen musste, schien ihr auf den Leib geschrieben.

Nach Teenie-Komödien 3D Thriller

Sie kann das gut: Selbst mit Ende zwanzig verdammt jung auszusehen und sich trotz ihrer Körpergröße von 1,55m lautstark – und dabei meistens amüsant – zu behaupten. Es wäre nicht verwunderlich gewesen, wenn sie erst mal im Bereich der Teenie-Komödie geblieben wäre. Statt dessen spielte sie in Uli Edels dreiteiligem Epos "Das Adlon" eine der Hauptrollen, für die sie sogar altern musste. Anlässlich des Kinostarts von "Lost Place" am 19.09.2013 habe ich sie im Hotel Brandenburger Hof getroffen und mit ihr über Stereotypen, 3D-Kino und Zukunftsangst geredet. Und darüber, wieso sie am liebsten mal mit John Malkovich drehen würde.


Als ich – ordentlich zu früh –  im Hotel ankomme, sitzt Josefine Preuß bereits entspannt im begrünten Innenhof des Etablissements, raucht eine Zigarette und sieht noch viel zierlicher aus, als man sich sie eh schon vorgestellt hat. Kein Wunder, dass man sie locker auch für zehn Jahre jüngere Rollen besetzen kann. Vielleicht ist es eben diesem überraschenden Eindruck geschuldet, dass sie in Interviews immer wieder gefragt wird, ob es stimme, dass sie ihre Hosen in der Kinderabteilung kaufe. Ja, tut sie. Das interessiert mich aber nicht. Statt dessen will ich lieber etwas über ihre Arbeit wissen und ob es etwas gibt, dass sie für eine Rolle niemals tuen würde. Schließlich hat die Schauspielerin sich für "Die Pilgerin" von ihrer geliebten langen Mähne getrennt.

Mut zur Häßlichkeit

In ihrem neuen Film „Lost Place“ spielt sie Jessica, die gerade mit dem Abi fertig ist, mit dem Hobby ihrer Freunde, dem Geocaching, nicht viel anfangen kann und eigentlich lieber Wellness machen würde. Aufgrund elektromagnetischer Wellen blättert ihr im Verlauf des Films die Haut vom Gesicht. Auch nicht gerade vorteilhaft. "Mut zur Hässlichkeit! Auf jeden Fall!", bestätigt Josefine. In einer Rolle nicht gleich erkannt zu werden, ist für sie ein großes Kompliment. Stereotypen seien gewollt und die werden bedient. Schließlich will sie auf der Leinwand nicht wie Josefine aussehen, sondern schwärmt begeistert von der Kunst der deutschen Maskenbildner.

Was für Josefine allerdings nicht in Frage kommt, sind starke Gewichtszu- oder abnahmen, allgemein nichts, was auf die Gesundheit geht. Mit Renée Zellweger hätte sie also vermutlich nicht tauschen wollen. Ob sie trotzdem von dem Sprung nach Amerika träumt, sich wünschen würde, dort Fuß zu fassen, frage ich: "Nein, gar nicht so. Ich bin keine Schauspielerin, die über den großen Teich will. Mit meiner Situation in Deutschland habe ich sehr viel Glück, solange so tolle Sachen kommen wie 'Die Pilgerin' und 'Das Adlon'. Ich fühle mich hier sehr wohl."

Lachend und wohl doch eher augenzwinkernd fügt sie hinzu: "Was soll ich denn in Amerika?" Obwohl, eine Ausnahme gäbe es da doch: Für "Being John Malkovich II" wäre sie jederzeit zu haben, Malkovich sei ihr Traum-Filmpartner. Wie ich erfahre, steht sie allerdings nicht nur auf den Schauspieler Malkovich, auch als Mann findet sie ihn wahnsinnig sexy. Malkovich wäre genau ihr Typ – wenn es jemand in dem Alter seien sollte.

Wir müssen etwas wagen!

Aber zurück zum Film: Seit 2010 kam es zu einer wahren 3D-Welle, die sich durch das gesamte Kinoprogramm zog. Der deutsche Film hielt sich hierbei bisher jedoch dezent zurück. Laut Presseheft ist "Lost Place" der erste deutsche Mystery-Thriller in 3D. Ein Thriller, der aus Deutschland kommt und in Deutschland spielt, hat die 27-Jährige gereizt, auch wenn es so gar nicht ihr Genre sei. "Da heißt es immer erst mal: Können wir das? Haben wir genug Geld, haben wir die richtigen Leute? Darum geht's aber nicht. Nein, vor allem gehe es erst mal darum, so ein Projekt zu wagen. Gerade im Hinblick auf den Übervater Hollywood komme es nicht darauf an, sich etwas abzuschauen oder besser zu machen: "es geht um Mut und um gute Geschichten".

Wie ist das, wenn man mit Ende Zwanzig schon so erfolgreich ist? Gerade in Deutschland ist es immer wieder ein Thema, dass viele Schauspieler von ihrem Beruf längst nicht mehr leben können. Ist der Erfolg ein Freifahrtschein von Zukunftsangst oder klingt diese trotzdem von Zeit zu Zeit mal leise an? "Ich glaube, man sollte immer an später denken, aber das mache ich nicht allein von meinem Beruf abhängig. Gerade läuft alles gut, aber ich bin mir bewusst, dass es nicht ewig so weiter geht. Aus finanzieller Sicht ist es wichtig, an später zu denken, erwachsen zu denken. Ich habe seit meinem zwölften Lebensjahr eine private Altersvorsorge und das finde ich für Deutschland relativ armselig, dass man sich so früh – eigentlich schon in der Kindheit – Gedanken über die Zukunft macht."

In der Kindheit hat auch Josefine Preuß' Karriere als Schauspielerin begonnen. Damals noch auf der Theaterbühne. Zu ihren Anfängen irgendwann zurückzukehren, kann sie sich gut vorstellen. Darstellende Kunst komme ja schließlich vom Theater. Es müsse nur das passende Angebot kommen. 

Quelle: Zeitjung

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