Mittwoch, 23. Oktober 2013

WAZ - Drehbericht "Die Hebamme"


Sat.1 dreht mit "Die Hebamme" einen Thriller um Geburt und Tod
Die Schauspielerin Josefine Preuß schlüpft für Sat.1 in die Rolle einer Hebamme des 18. Jahrhunderts.

Prag. In Prag laufen die Dreharbeiten für den Historien-Thriller "Die Hebamme". Josefine Preuß spielt die angehende Hebamme Gesa. Im Marburg des 18. Jahrhunderts kämpft sie gegen den menschenunwürdigen Umgang mit Schwangeren - und findet eine Liebe.

Hinter einem eisenbeschlagenen Tor in der Prager Altstadt verbirgt sich scheinbar das Grauen: Mediziner zerlegen unter Kerzenlicht Leichen, während im angeschlossenen Gebärhaus Kinder ohne Narkose mit der Zange entbunden werden. Es ist der Drehort für den Spielfilm-Thriller "Die Hebamme", der nächstes Jahr bei Sat.1 zu sehen sein wird.

Es geht um die junge Gesa, die im Marburg des 18. Jahrhunderts die Hebammen-Kunst erlernen will. Doch was sie im Gebärhaus der Stadt erleben muss, schockiert sie. Ohne Rücksicht auf die Schwangeren unterrichtet Professor Kilian dort seine Medizinstudenten am lebenden Objekt. Die Methoden sind zum Teil brutal, die Medizin ist noch ganz am Anfang.


Ein Schnellkurs in Geburtshilfe
Für Schauspielerin Josefine Preuß, die Gesa verkörpert, sind die Dreharbeiten ein wenig wie ein Schnellkurs in Geburtshilfe. "Leben auf die Welt zu holen, ist gar nicht einfach", stellt Preuß fest. Eine echte Hebamme mit 27 Jahren Berufserfahrung sorgt dafür, dass jede Bewegung sitzt. Die Geburtsszenen beschreibt Preuß als eine besondere Herausforderung, denn die Kinder im Film kämen nicht immer gesund oder lebend auf die Welt.

Weil es in den alten Gemäuern kalt ist, hält sich die zierliche 27-Jährige in den Drehpausen eine Wärmeflasche an den Bauch. Gedreht wird in einer früheren Brauerei, die seit Jahrzehnten zerfällt. Die Originalkulisse passe perfekt zu dem historischen Film, meint Preuß. Tatsächlich haben die Bühnenbildner ganze Arbeit geleistet: Aus Wohnräumen wurden bürgerliche Salons, aus Lagerräumen für Bierfässer im Keller ein Verlies. In der Anatomie-Sammlung lassen eingelegte "Kuriositäten" einen Schauer über den Rücken fahren.


Viele Frauen mit Silikonbäuchen am Set
Zwischen Frauen mit Silikon-Bäuchen und schreiendem Setpersonal stolziert der Schauspieler Andreas Pietschmann mit Frack und Zylinder durch den Hinterhof in der Nähe der berühmten Karlsbrücke. Er spielt den Anatomie-Gelehrten Clemens Heuser, in den sich die Hebammenschülerin Gesa verliebt, als sie eigentlich schon alles hinwerfen will. Pietschmann kommt aus der Maske, wo man seine sonnengebräunte Haut in einen Porzellan-Teint verwandelt hat.


Er ist begeistert von der Prager Altstadt mit ihren malerischen Kopfsteinpflaster-Gassen. "Es ist ein Exterieur, das uns alle belebt und inspiriert", meint Pietschmann. Es fühle sich an, als ob man den ganzen Tag durch ein Museum laufe. Das Ambiente der "goldenen Stadt" helfe dabei, sich in die historische Rolle einzufühlen.
Es entspinnt sich eine spannende Kriminalgeschichte

Anders als der gleichnamige Roman-Bestseller von Kerstin Cantz ist die Verfilmung zuvorderst ein Thriller. Denn ausgehend von den Leichen, die der Marburger Anatom Heuser seziert und untersucht, entspinnt sich eine spannende Kriminalgeschichte. Für Aufklärung soll der Stadtrichter sorgen - gespielt von Cornelius Obonya. "Ein Kostümfilm ist immer etwas Wunderbares", meint der Mann aus einer berühmten Wiener Schauspieldynastie.

Obonya begrüßt, dass es in historischen Filmen in letzter Zeit mehr Raum für starke Frauenfiguren wie die Hebamme Gesa gibt. "Ich finde es sehr angenehm, dass es um die Frauen geht, die weit mehr getan haben für die Menschheit als so mancher Mann", sagt der 43-Jährige.

Es ist schon dunkel am Filmset, als Thorsten Wettcke vorbeischaut, der das Drehbuch für die vier Millionen teure Produktion geschrieben hat. Den Konflikt zwischen Hebammenkunst und Schulmedizin will Wettcke ("Das Wunder von Kärnten") nicht auf Schwarz-Weiß-Malerei reduziert sehen. Beim Schreiben des Drehbuchs hätte er an seine per Kaiserschnitt geborene, damals sechs Wochen alte Tochter denken müssen. Wettcke ist überzeugt: Damals im 18. Jahrhundert hätte seine Tochter keine Chance gehabt.


Quelle: WAZ

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