Montag, 11. November 2013

Der Reiz der Hosenrolle

Fragen an Josefine Preuß - Pressemappe zu "Die Pilgerin" (ZDF)

Sie spielen die Hauptrolle in "Die Pilgerin". Was hat Sie an Tilla und an diesem Filmprojekt gereizt?
Das Reizvollste für mich war die Figur "Tilla", eine sogenannte Hosenrolle: Eine junge Frau in einer von Männern dominierten Welt muss sich als Junge verkleiden, um das größte Abenteuer ihres Lebens zu bestehen. Auch durfte ich vorher noch nie in einem Film mitwirken, der in dieser Epoche spielt, dem dunklen, dreckigen und brutalen Mittelalter. Und ich wollte, nachdem ich "Unsere Mütter, unsere Väter" regelrecht verschlungen habe, unbedingt mit Philipp Kadelbach zusammenarbeiten. 

Wie würden Sie Tilla beschreiben? Wie nah ist Ihnen die Figur?
Tilla ist eine starke, freiheitsliebende und sehr mutige junge Frau. Sie widersetzt sich den Zwängen ihrer Zeit und begibt sich aus tiefer Liebe zu ihrem Vater auf diese gefährliche Reise, einzig und allein, um seinen letzten Willen zu erfüllen.Tilla ist mir, wie alle meine Figuren, nicht wirklich nah. Ich kann allerdings ihre Beweggründe und Gedanken nachvollziehen und konnte mich an jedem Drehtag aufs Neue von ihr inspirieren lassen.

Der Stoff spielt im späten Mittelalter. Was ist für Sie das Besondere in solch einem historischen Film mitzuwirken?
Man darf in eine fremde Welt eintauchen, die man selbst nicht erlebt hat. Das Besondere an diesem historischen Film waren die unglaublichen Sets, die originalgetreuen Requisiten und die Kostüme.

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?
Die Vorbereitung auf diese Rolle war vor allem körperlicher Natur. Ich hatte zum Beispiel Reit- und Stunttraining und habe Bogenschießen gelernt. Aber die größte und schwierigste Vorbereitung bestand darin, mich von meiner "Mähne" zu trennen, um Tillas Verwandlung in Moritz auch äußerlich realistisch darstellen zu können.

Wie war die Zusammenarbeit mit Regisseur Philipp Kadelbach?
Philipp Kadelbach ist ein Schauspieler-Regisseur, der mit Vertrauen und Mut jeder Figur tief ins Innere schaut, der seine Figuren scheitern und wieder aufstehen lässt. Er stützt sich nicht auf Stereotype, will jede Figur verstehen und legt seine gesamte Energie in das Projekt. Ich habe großen Respekt vor ihm und seiner Arbeit.

Szenenbild, Kostüm und Maske sind sehr aufwendig und möglichst nah an der Realität des Mittelalters. Welchen Einfluss hatte das auf die Dreharbeiten?
Durch das Zusammenspiel von Szenenbild, Kostüm und Maske wurde eine stimmungsvolle Atmosphäre erzeugt, die es uns Darstellern erst ermöglicht hat, in diese fremde, uns unbekannte Welt einzutauchen.

Sie spielen eine junge Frau in einer stark männlich bestimmten Welt. Konnte man diesen Konflikt auch während der Dreharbeiten spüren? Wie war das Zusammenspiel mit der "Pilgergruppe"?
Ein Konflikt war definitiv nicht zu spüren, ganz im Gegenteil. Als einzige weibliche Darstellerin erging es mir in unserer Truppe unter all den wunderbaren Kollegen sehr gut. Und ich hatte die kürzeste Maskenzeit, eine ganz neue Erfahrung für mich.

Tilla gelingt es trotz aller Schwierigkeiten, ihren Weg zu gehen. Ist Josefine Preuß auch eine Frau mit Durchsetzungs­vermögen?
Das hoffe ich, denn ich betrachte Durchsetzungsvermögen als eine der wichtigsten Charaktereigenschaften.
Welche Momente während der Dreharbeiten sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Ich kann keinen einzelnen hervorheben. Die Geschichte, die Epoche, in der sich die Figuren bewegen, die Zusammenarbeit mit Philipp Kadelbach und dem gesamten großartigen Team ließen die Produktion selber zu einem aufregenden, wunderschönen Abenteuer werden.

Die Fragen stellten Julia Kainz und Birgit-Nicole Krebs.

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