Sonntag, 5. Januar 2014

Als die Haare ab waren, hab’ ich geflennt! (Express)

Interview mit „Pilgerin“-Star Preuß
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Gespräche mit Josefine Preuß sind immer schnell, (berliner)schnauzig – und auf den Punkt. Auch vom  Dreh zum Mittelalter-Epos „Die Pilgerin“ (ZDF, Sonntag und Montag, 20.15 Uhr), in dem sie die Titelrolle spielt, hat sie einiges zu berichten. In unserem Interview spricht sie über den Verlust ihrer Haare, die schlimmen Vergewaltigungs-Szenen und ihre eigene Beziehung zu Gott.

Die „Pilgerin“ war schon für Zehntausende Leser ein Trip in eine komplett andere Welt… Wie war’s für Dich?
Josefine Preuß: Ein einziger Abenteuerspielplatz! Ich hatte richtig Bock auf Veränderung. Und die gab’s dann gleich mal hundert.

Wie anstrengend war diese „Pilgerreise“?
Körperlich war es der anstrengendste Dreh, den ich je hatte. Ich bin da echt an meine Grenzen gegangen, das war nicht nur gespielt. Dieses Kreuz war wirklich extrem schwer. 19 Kilo!

Wie viele davon hast Du durch die Quälereien abgespeckt?

Ich hätte einiges abgenommen – aber das ist alles durch das gute Essen in Tschechien, wo wir gedreht haben, wieder drauf gekommen. Da gab’s ohne Ende Gulasch und Bier.

Dafür kamen die Haare ab.
Ja – und ich habe geflennt! Beim ersten Blick in den Spiegel habe ich mich selbst nicht wiedererkannt. Ich habe mich erstmal zehn Minuten hingesetzt und die Tränen laufen lassen. Aber von meinen Freunden kam von Mitleid bis Zuspruch alles, was helfen kann. Und für die Rolle war’s klasse – ich habe mich dadurch auch als kleiner Junge, als kleiner Moritz gefühlt. 

War vorher mal der Gedanke da, es vielleicht mit einer Perücke zu versuchen?
Nein! Ich verlange ja immer gerne mehr Mut zur Veränderung von meinen Kollegen – da kann ich nicht hingehen und eine Perücke nehmen, statt mir die Haare wirklich abzuschneiden. Das wäre total doppelmoralisch. Ich will mich für meine Rollen auch selbst verändern – und dafür muss ich auch Opfer bringen. 

Gab’s keine Probleme wegen anderer Filme, die Du danach gedreht hast?
Das haben wir über eine Langhaarperücke gelöst, etwa bei der „Hebamme“, die ich direkt danach gedreht habe. Und für die meisten Figuren tut es ja auch ein frecher Kurzhaar-Schnitt, der ist ja durchaus angesagt. Auch wenn ich persönlich die Haare jetzt lieber wieder wachsen lasse.

Es gibt mehrere Vergewaltigungs-Szenen mit Dir als Opfer. Wie steht man das durch?
Das war auch ganz schön heftig. Die schlimmsten Sachen wurden rausgeschnitten, damit der Film um 20 Uhr gezeigt werden kann. Ich möchte nur so viel sagen: Da wurde noch mehr angegrapscht als nur oben rum. Bei einem solchen Dreh fließt eine ganze Menge negativer Energie, das war den Männern wahrscheinlich noch unangenehmer als mir. Da ist es dann ganz wichtig, sich danach hinzusetzen, was zu trinken und zu quatschen. Das haben wir auch gemacht. Sonst bleibt da was hängen.

Wie hast Du das mit Dietmar Bär gelöst, der dich ganz schön hart angehen musste?
Mit ihm war das überhaupt kein Problem. Dietmar ist so ein lieber und angenehmer Kollege. Für die Rolle war er perfekt, er sieht im Film ja aus wie ein Walroß mit schlechten Zähnen. Aber privat ist er total menschlich, das hat auch gepasst. Wir haben dann nach dem Dreh den Tag zusammen ausklingen lassen.

Es geht beim Pilgern um den tiefen Glauben. Bist Du religiös?
Ich bin kein Freund, aber auch kein totaler Feind. Ich selbst glaube nur an das, was ich sehen und erleben kann. Aber jeder darf glauben, was er mag. Wobei ich prinzipiell denke, Religion braucht kein Haus.

Volker Bruch spielt deinen bösen Bruder extrem intensiv…
Großartig, ja! Er hat mich schon in „Unsere Mütter, unsere Väter“ begeistert. Jetzt hat er mich umgehauen. Wenn Du dem in die Augen guckst, denkst Du da steht ein geisteskranker Diktator. Wahnsinn.

Dein Serien-Lover Elyas M’Barek aus „Türkisch für Anfänger" hat gerade mit „Fack U Göhte“ den erfolgreichsten Kino-Film des Jahres hingelegt. Wie verfolgst Du das?
Ich gönne ihm und Bora Dagtekin das total. Es gibt eben in Deutschland mehr als nur Schweiger und Schweighöfer. Und es ist gut, wenn die Leute das sehen.

Quelle: Express

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