Sonntag, 5. Januar 2014

Ich war das Prinzesschen (Die Welt)

Im ZDF-Abenteuerfilm "Die Pilgerin" spielt Josefine Preuß eine Frau, die als Mann verkleidet eine gefährliche Pilgerreise antritt. Im Interview erzählt sie vom Dreh, alleine unter Männern.
Von Katharina Weiss, Die Welt

Die Welt: Der Zuschauer bekommt bei "Die Pilgerin" das Gefühl, das Mittelalter förmlich zu riechen, wie sah es am Set aus?
Josefine Preuss: Wir haben auf wunderschönen Burgen in Tschechien gedreht und vor aufwändigen Kulissen gearbeitet. Der große Marktplatz war sehr beeindruckend, all die Komparsen mit schwarzen Zähnen, dreckigen Gesichtern und Wunden, Hühner flattern umher, Exkremente liegen auf dem Boden, drei Tage Fleisch in der Sonne – ich bin froh, dass ich keinen Herpes bekommen habe. Das war schon pures Mittelalter. Wie ein Abenteuerspielplatz für Erwachsene.

Die Welt: Der größte Gegenspieler Ihrer Figur Tilla ist zugleich ihr Bruder. Wie haben Sie zusammen mit Volker Bruch diesen Geschwisterkonflikt entwickelt?
Preuss: Das ist ein großes Thema des Films. Volker spielt den ungeliebten Sohn, dem nicht zugetraut wird, das Familiengeschäft zu beerben. Ich glaube, dass sich Tilla und Otfried früher sehr viel näher waren. Aber als Otfried heimlich den Vater erstickt und Tilla anschließend zwangsverheiratet, gibt es kein Zurück mehr. Volker spielt das so unglaublich: Diesen narzisstischen, selbstverliebten und grausamen Diktator.

Die Welt: Der letzte Wunsch von Tillas Vater ist, dass sein Herz in der heiligen Erde von Santiago de Compostela beerdigt wird. Tilla macht sich schließlich in Männerkleidung auf die Pilgerreise. Auch heute ist die Faszination des Jakobswegs für viele Gläubige ungebrochen. Wäre das auch was für Sie?
Preuss: Nein, ich bin einfach lauffaul und auch nicht so spirituell, dass ich 800 Kilometer pilgern würde, um mich selber zu finden.

Die Welt: Sind Sie vertraut mit den Traditionen des Katholizismus?
Preuss: Ich bin kein Freund und auch kein Feind der Religion, aber privat war mir das fremd. Doch die Gebete waren sehr schön und für Tilla ist ihr Glaube sehr wichtig, so wie zu dieser Zeit üblich. Sie nimmt all diese Schmerzen auf sich, um ihren Vater von der Sünde zu befreien. Nachdem wir die Szenen gedreht hatten, in denen Tilla das schwere Holzkreuz tragen muss, waren meine Schürfungen und Rötungen abends nicht aufgeschminkt.

Die Welt: Sie waren die einzige Frau in einer Männerrunde – waren das diesmal spezielle Dreharbeiten?
Preuss: Ich war das Prinzesschen. Aber das schönste war wirklich, dass ich die kürzeste Maskenzeit hatte. Einmal kurz durch die Haare wuscheln und vielleicht ein bisschen Dreck ins Gesicht. Ausnahmsweise musste ich dann mal auf die Männer warten, die mit Perücken und Narben ausgestattet wurden.

Die Welt: Viele Männer meinen es nicht besonders gut mit Tilla, und es gibt keinen klischeehaften Ritter im Stoff, der die holde Maid ständig errettet. Stattdessen bekommen wir eine ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen Ihnen und Jacob Matschenz zu sehen, der sich anfangs eher widerwillig mit Tilla auf die Reise macht.
Preuss: Während sie diese lange und gefährliche Reise zusammen durchstehen, entwickeln sich ihre Gefühle füreinander. Ihre Liebe ist sehr kindlich und sehr rein. Jacob und ich haben uns eine eigene Rollengeschichte aufgebaut und uns vorgestellt, wie die beiden schon als Kinder zusammen gespielt und gejagt haben. Und sie war, glaube ich, immer ein bisschen mutiger und schneller als er.

Quelle: Die Welt

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