Freitag, 3. Januar 2014

Ich wäre da nicht alt geworden (Thüringer Allgemeine)

Interview mit Josefine Preuß aus der Thüringer Allgemeine
"Ich wäre da nicht alt geworden" - Gespräch mit Josefine Preuß
Das Mittelalter war eine absolut abstoßende Zeit, vor allem für Frauen mit roten Haaren, findet Josefine Preuß. Im ZDF-Zweiteiler "Die Pilgerin" spielt die Schauspielerin die Titelrolle.

Berlin. Josefine Preuß kommt mit Wollmütze zum Interview. "Bad Hair Day", brummt sie und lüftet kurz die Mütze. Für den ZDF-Zweiteiler "Die Pilgerin" (5. und 6. Januar, jeweils 20.15 Uhr) musste die 27-Jährige ihre rote Mähne kurz schneiden - genauso wie die Kaufmannstochter Tilla, die sich im 14. Jahrhundert als Junge verkleidet auf Pilgerschaft begibt. Sie sieht bezaubernd aus - auch mit Topfschnitt.

War das Haareschneiden schlimm?

Ich habe geheult!

Wirklich?

Ich habe mich nicht mehr erkannt. Es war furchtbar. Lange rote Haare - das war immer mein Markenzeichen! Außerdem habe ich jetzt ständig Zug im Nacken.

Andere Frisur, anderes Leben?

Ich habe mich mehr geschminkt und mir andere Klamotten gekauft, enger, mit mehr Ausschnitt. Was ist passiert? Der süße Typ im Coffee-Shop nebenan, der mich sonst nie anguckt, hat mich auf einmal angeflirtet.
 

Es gibt Mädchen, die wollten als Kinder lieber Jungen sein.
Nee, das wollte ich nicht. Aber ich war auch kein typisches Mädchen. Während die anderen mit Puppen gespielt haben, bin ich mit meinem Papa Motorrad gefahren oder zum Fußball gegangen.

Also lieber ein Männerleben?

Hallo? Nein! Wir können echt froh sein, dass wir Frauen sind.

Warum?

Weil wir das starke Geschlecht sind. Schon mal einen erkälteten Mann zu Hause gehabt?
 

Wäre die Pilgerin lieber ein Mann?
Nein. Tilla ist eine mutige junge Frau. Sie verkleidet sich nur deshalb als Junge, weil das für sie die einzige Möglichkeit ist, den letzten Willen ihres Vaters zu erfüllen. Eine Pilgerreise war für Frauen verboten.
 

Fürs Spirituelle interessiert sich im Film kaum einer.
Tilla verliert ihren Glauben auf der Reise. Ich selbst bin da emotionslos. Ich bin kein Feind und kein Freund der Religion. Ich habe aber etwas gegen Idioten, die Religion missbrauchen, Selbstmordattentäter zum Beispiel.
 

Das Mittelalter ist eine morastige, dreckige, brutale Männerwelt. Aufregend oder eher... ?
... absolut abstoßend! Ich wäre da nicht alt geworden. Mit roten langen Haaren sowieso nicht. Und dann die Hygiene. Ich bin der hygienischste Mensch auf der Welt! Ich bin da wirklich pingelig geworden.

Die "Pilgerin" ist genau wie "Wanderhure" nach einem Buch von Iny Lorentz entstanden.
Ja, aber wir haben hier einen richtigen Abenteuerfilm gemacht. Mit der Wanderhure hat das nichts zu tun. Bei uns ist das Mittelalter nicht so clean. Da hat man sich nicht die Achselhaare rasiert und die Beine gewachst.
 

Pilgern ist ja heute wieder eine Art Trendsport. Auch schon mal beim Wandern die innere Ruhe gesucht?
Ich bin der lauffaulste Mensch der Welt. Wenn ich nicht pilgern muss, pilgere ich auch nicht.
 

Okay, und stattdessen?
Staubsaugen.
 

Wie bitte?
Ich mag das. Ich habe eine große Wohnung, und ich habe es gerne sauber. Und ich hasse Haare auf den weißen Fliesen.
 

Klingt nach Putzfimmel.
Absolut!

Im 14. Jahrhundert macht sich keine Frau freiwillig alleine auf die Reise. Und heute? Keine Angst im dunklen Parkhaus?
Ich bin Polizistentochter. Ich mache jeden fertig, der mir doof kommt.
 

Wie denn?
Es gibt ja Techniken. (Sie hält ihren Kugelschreiber wie einen Dolch:) Ich kann dich hiermit töten. Aber das Wichtigste ist natürlich: Ganz laut um Hilfe rufen, richtig schreien. Dann lassen die meisten schon von einem ab. Pfefferspray ist auch gut.

Julia Emmrich / 03.01.14 / OTZ 

Keine Kommentare: