Donnerstag, 2. Januar 2014

Lieber kurze Haare als schlechte Perücke (RP)

In der Rheinischen Post gibt es ein Interview mit Josefine Preuß.
 
"Lieber kurze Haare als schlechte Perücke"
Josefine Preuß spielt im ZDF-Zweiteiler "Die Pilgerin" die Hauptrolle. Ein Gespräch über Hosenrollen, Haare, Heimat, Hochzeitsgerüchte und hochwertiges Fernsehen. Die 27-Jährige will nicht nach Hollywood, sondern in Deutschland drehen.
 

Sie spielen eine junge Frau, die sich als Mann verkleidet auf eine Reise begibt. Eine klassische Hosenrolle. Ist es Ihnen schwergefallen, sich zu verwandeln?
Preuß Nein gar nicht. Allein dieses Outfit, diese Geschichte, diese Umgebung und dieser Lord-Helmchen-Haarschnitt – das war alles sehr burschikos und knabenhaft angelegt, hätte ich dann auch noch extrem männlich gespielt, wäre das eine Persiflage geworden. Es geht ja um diese Doppelebene, darum, dass sie eigentlich eine Frau ist. Sie darf nicht auffallen. Ich habe eine solche Rolle vorher noch nie gespielt, deshalb war sie sehr reizvoll für mich.

Wie haben sich für die Rolle Ihre Haare abschneiden lassen. Warum tragen Sie keine Perücke?
Preuß Weil ich kein Fan von schlechten Perücken bin. Wenn ich im Fernsehen eine Perücke sehe, dann gucke ich nur noch auf den schlecht geklebten Ansatz und konzentriere mich nicht mehr auf die Geschichte. Außerdem hätte nicht mal die beste Kurzhaarperücke die Aufgaben überstanden, die ich als Pilgerin absolviere: reiten, rennen, flüchten, ins Wasser fallen.

Wollen Sie die Haare denn wieder wachsen lassen?
Preuß Ein bisschen sind sie schon wieder gewachsen, aber ich schaue mal, welche Rolle als nächstes auf mich zukommt. Vielleicht muss ich dafür ja Glatze tragen.

Würden Sie sich denn für eine Rolle tatsächlich kahl rasieren?
Preuß Ich bin eine Darstellerin und eigne mir die Rolle auch äußerlich gerne an. Für eine gute Rolle würde ich mir sogar eine Glatze rasieren lassen – aber nicht für irgendeine Vorabendserie.

Die Geschichte der Pilgerin spielt im Mittelalter. Wie wäre es gewesen, damals als Frau zu leben und nicht heute?
Preuß Ich glaube, da wäre ich mit meinen roten Haaren nicht besonders alt geworden. (lacht) Jeder der im Mittelalter älter als 30 war, war steinalt. Ich hätte in dieser Zeit nicht gut gelebt und mich schon früher verabschieden müssen.

Es scheint, mit dem Thema Mittelalter kann man viele Zuschauer locken. Sowohl Bücher, die in dieser Zeit spielen, als auch Verfilmungen laufen sehr gut. Worin besteht die Attraktivität?
Preuß Keiner weiß, wie es damals wirklich war. Wir können niemanden anrufen und uns erzählen lassen, wie es gewesen ist. Ich glaube, das macht den Reiz aus: Man kann alles daraus machen.

Die Vorlage für den Film ist der gleichnamige Roman von Iny Lorentz. Haben Sie das Buch gelesen?
Preuß Nein. Ich habe mir bei Literaturverfilmungen abgewöhnt, das Original zu lesen. Es würden sich zu viele Fragen stellen: Warum wird eine Figur weggelassen, warum ein Plot nicht erzählt. Das Drehbuch ist unsere Bibel.

Mit von der Partie sind bei "Die Pilgerin" mehrere Darsteller und der Regisseur von "Unsere Mütter, unsere Väter". Glauben Sie, dass "Die Pilgerin" an den Erfolg anknüpfen kann?
Preuß Das weiß man vorher nie. Vielleicht sind es andere Zuschauer als bei "Unsere Mütter, unsere Väter". Für mich ist wichtig, dass meine Eltern sich den Film ansehen. Ich mache Filme, damit sie gesehen werden – aber ich spiele egal ob für zwei oder für 20. Dieses ganze Quotengelaber geht mir auf den Keks.

Warum glauben Sie, war "Unsere Mütter, unsere Väter" so erfolgreich?
Preuß Das war ein Fernseh-Ereignis. Ein qualitativ unglaublich hochwertiger Film. Der Grund für mich, "Die Pilgerin" zu machen war, dass Philipp Kadelbach auch hier die Regie führt und ich unbedingt mit diesem Mann arbeiten wollte.

Wie war es denn, mit ihm zu drehen?
Preuß Sehr toll. Er ist ein Freak, und das meine ich sehr positiv. Er ist einer der letzten Rebellen, der sein Ding durchzieht und mit den Schauspielern in einer sehr emotionalen Weise zusammenarbeitet. Er hat genau die richtige Balance zwischen Führen und Vertrauen 

In "Die Pilgerin" machen Sie sich auf den Weg nach Santiago de Compostela. Käme es für Sie infrage, privat auf dem Jakobsweg zu pilgern?
Preuß Auf gar keinen Fall. Ich bin der lauffaulste Mensch der Welt.

Sie sind eine der wenigen großen deutschen Nachwuchsschauspielerinnen. Was hilft einem letztlich weiter, den Durchbruch zu schaffen – ein Kinofilm wie "Türkisch für Anfänger" oder eine TV-Produktion wie "Das Adlon"?
Preuß Alles hat seine Berechtigung, solange es angenommen wird. Wenn man im Kino über eine Million erreicht, ist es ein Riesenhit, eine Million im Fernsehen ist nichts. Ich möchte so unterschiedliche Rollen spielen wie möglich. Ich hätte auch in der Schublade Teenie-Komödie bleiben können, aber ich bekomme jetzt so großartige Angebote wie "Adlon" oder "Die Pilgerin".

Sie haben den Sprung ins erwachsene Fach geschafft. Wie ist das gelungen?
Preuß Ich hatte Leute, die an mich geglaubt haben. Zum Beispiel Oliver Berben. Er ist ein hohes Risiko eingegangen, mich für "Adlon" zu besetzen. Es sind solche Leute, die den Mut aufbringen, auch mal gegen den Typ zu besetzen.

Sie waren gestern im Leipziger "Tatort" an der Seite von Simone Thomalla zu sehen. Wie war das?
Preuß Ganz toll. Die Frau ist Zucker. Da kann ich mir echt noch ne Scheibe abschneiden. Sie sorgt dafür, dass gute Stimmung ist.

Soll der "Tatort" eine einmalige Sache sein?
Preuß Ich weiß noch nicht.

Wären Sie denn dazu bereit?
Preuß Das weiß ich auch noch nicht.

Es gibt ja immer wieder Gerüchte, dass Sie bald heiraten könnten.
Preuß Wen denn heute?

Sagen Sie es mir!
Preuß Die Gerüchte mit Vladimir Burlakov haben wir aufgeklärt! Da hatten wir uns einen Spaß erlaubt. Obwohl: Meine Mutter hatte sich schon auf einen Russen in der Familie gefreut. Man muss das alles mit Humor nehmen.

Möchten Sie eines Tages den Sprung nach Hollywood schaffen?
Preuß Nein. Solange wir so tolle Geschichten zu erzählen haben und die Qualität des deutschen Fernsehens weiter besser wird wie jetzt mit "Unsere Mütter, unsere Väter" fühle ich mich hier sehr wohl. Ich mag unsere deutsche Sprache, hier sind meine Eltern und hier will ich die Menschen unterhalten.

Leslie Brook führte das Gespräch
Quelle: RP

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