Dienstag, 25. März 2014

"Die Hebamme": Für Schwangere nicht geeignet (Merkur)

München - Josefine Preuß im Merkur-Interview über den Sat.1-Thriller "Die Hebamme", ihr eigenes Verhältnis zu Geburten und Lachkrämpfe am Filmset.

Die 19-jährige Gesa (Josefine Preuß) will im ausgehenden 18. Jahrhundert Geburtshelferin werden und beginnt – mangels Alternative – eine Lehre im Gebärhaus von Marburg. Dort entbinden unverheiratete, mittellose Frauen, die von Ärzten als Studienobjekte missbraucht werden. Eine mysteriöse Selbstmordserie, von der Mediziner und vor allem Anatomen profitieren, lässt Gesa misstrauisch werden. Nach dem Buch von Thorsten Wettcke drehte Hannu Salonen den Historienfilm „Die Hebamme“, eine Mischung aus Sittengemälde und Thriller. Sat.1 zeigt den Film mit Axel Milberg, Andreas Pietschmann und Alicia von Rittberg in weiteren Rollen heute um 20.15 Uhr.

Frau Preuß, Ihr neuer Film führt die Situation von Schwangeren im 18. Jahrhundert sehr drastisch vor Augen… Sie sind noch keine Mama?
Nein, und nach diesem Film rückt der Gedanke daran auch in weite Ferne.
Hab’ ich bei den Dreharbeiten auch gesagt. Ich finde, man sollte einen Hinweis geben: Nicht für Schwangere oder Frauen kurz vor der Niederkunft geeignet. (Lacht.)

Werden Sie den Muttertag in diesem Jahr also besonders feiern?
Immer schon! Riesenparty, alle springen raus, Konfetti fliegt. Mamatag ist wichtig, und sei’s nur eine kleine Aufmerksamkeit. Der Mamatag ist dazu da, um Danke zu sagen. Und nach dem Film weiß man, was sie alles schon mit uns durchgemacht haben.

Haben Ihnen das die Dreharbeiten einmal mehr vor Augen geführt?
Ja, und bei den Szenen mit den Zangen und Kopfziehern hatte ich regelmäßig mit Phantomunterleibsschmerzen zu kämpfen. Aber das kann man ja auch für eine Rolle super nutzen. Und bei privaten Entscheidungen sollte man sich ja dann doch nicht von einem Film beeinflussen lassen.
Es gibt eine Szene, in der Sie ein totes Baby entbinden müssen. Wie bereitet man sich darauf vor?
Ja gut, die Mutter war ja nun auch eine Puppe. Und die Öffnung war unnatürlich groß. Bei dieser Szene überwog bei mir die Faszination. Das Baby sah total echt aus, bis hin zu den kleinen Fingernägeln und Wimpern. Und dann natürlich tot, so ein bisschen bläulich, blass gemacht. Ich dachte nur: Wow, was für eine großartige Arbeit der Maskenbildner! Was für ein Handwerk!

Würden Sie nach diesen Dreharbeiten noch den Vater des Kindes bei einer Geburt dabeihaben wollen im Kreißsaal?
Ich hab schon immer gesagt, dass ich es in einer intimen Situation wie dieser gern klassisch halten würde – ich mit meiner Mutter drinnen und der Mann draußen. Na ja, mal sehen. Das muss man von der Situation abhängig machen und ob der Mann will. Ich glaube, viele Männer sind da wenig Unterstützung, auch wenn sie es immer behaupten. (Lacht.)

Eine Ihrer Schauspielkolleginnen ist Alicia von Rittberg, die die Hebammenschülerin Lotte spielt. Sie wirken sehr vertraut. Sind Sie auch privat befreundet?
Wir kannten uns vorher nicht. Doch als wir uns in der Vorbereitungswoche in Prag das erste Mal gesehen haben, waren wir uns sofort sympathisch. Wir haben auch die Abende privat miteinander verbracht, und es hat einfach perfekt gepasst. Für das Team waren wir echt anstrengend. Ich kann mich an eine Szene erinnern, da müssen wir den Hebammeneid leisten. Ich hoffe, sie packen diese unmöglich vielen Versuche, die schief gingen, weil wir so lachen mussten, ins Making of. Wir haben in den ersten drei Stunden keine Version ohne Lachen hinbekommen.

Ansonsten gab es im 18. Jahrhundert für viele Menschen nicht viel zu lachen. Wenn Sie in ein Jahrhundert zurückreisen könnten, welches wäre es?
Wenn, dann nur für einen Abend ins Berlin der Zwanzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts – einmal Josephine Baker auf der Bühne sehen. Ansonsten bin ich froh, im Hier und Jetzt zu leben und nicht mehr in den Fluss zu müssen, um meine Wäsche zu waschen.

Für welche Errungenschaften, die sich seitdem durchgesetzt haben, sind Sie am dankbarsten?
Na, schon für die Emanzipation der Frau. Gerade die Hebamme Gesa, die ich spiele, ist doch ein tragischer Fall. Sie hat immer gesagt, dass sie wie ihre Mutter Hebamme werden will – und dann soll sie diesen Job einfach für ihren Mann aufgeben. Das ist zum Glück heute nicht mehr so.

Sind Sie selbst auch so mutig wie Gesa?
Teils, teils. Also alles was mit Höhe, Schnelligkeit und so zu tun hat, ja. Aber bei Spinnen und Schlangen bin ich ganz schnell weg.

Das heißt, Stunts machen Sie selbst?
O ja, so oft es geht. Der krasseste Stunt, den ich hatte, war bei „Türkisch für Anfänger“. Da musste ich in acht Metern Höhe baumeln, dann runterfallen und kurz vor dem Boden stoppen. Das hab’ ich geliebt, so körperlich, das mag ich.

Das Gespräch führte Katja Kraft. Quelle: Merkur Online

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