Dienstag, 25. März 2014

Dieses metrosexuelle Gelaber finde ich schlimm (Focus)

Dass man es als Frau, geschweige denn als Hebamme, nicht leicht hat im Jahr 1799, zeigt das TV-Event „Die Hebamme“. Die Hauptdarstellerin Josefine Preuß ist froh, im 21. Jahrhundert leben zu können - auch wenn die Emanzipation der Frau ihr langsam auf die Nerven geht, wie sie im Interview verrät.
In „Die Hebamme“ (25. März, 20.15 Uhr, Sat.1) spielt Josefine Preuß (28) die zielstrebige Hebammenschülerin Gesa. Obwohl im Jahr 1799 nicht viel Wert gelegt wird auf die Meinung einer jungen Frau, hält Gesa mit ihren Ansichten nicht hinterm Berg - eine Eigenschaft, die Preuß durchaus mit ihr teilt. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erzählt die zierliche Schauspielerin unverblümt, was sie von der deutschen Familienpolitik oder femininen Männern hält.

Finden Sie die Verhältnisse, unter denen früher medizinische Forschung betrieben wurde, erschreckend?
Josefine Preuß: Teilweise. Ich bin mir dessen total bewusst, dass wir heute nur aufgrund dieser Anfänge der Forschung, mit teilweise menschenunwürdigen Verhältnissen, derart weit sind. Alles hat seine Ursache und Wirkung. Nur so können wir heute im 21. Jahrhundert wissen, wie ein Kaiserschnitt funktioniert und wie man eine Geburtszange richtig einführt. Bei den ersten Experimenten des Kaiserschnitts wusste man, dass es in 90 Prozent der Fälle nicht gut ausgeht für Mutter und Kind. Aber so war es eben, das ist die Entwicklung.

Heute wären menschliche Forschungsobjekte wie im Film nicht mehr möglich.
Preuß: Ja, heute gibt es das nicht mehr. Man darf auch nicht vergessen, dass diese Gebärhäuser, die es auch wirklich gab, für ehrlose Frauen waren; für Prostituierte und für von der Kirche verstoßene Frauen. Diese Frauen wussten auch nicht, wenn sie dort eingeliefert wurden, dass sie sich für medizinische Zwecke zur Verfügung stellen müssen. Dafür haben sie dann aber Unterkunft, Verpflegung und eine Betreuung bei der Geburt bekommen. Sonst hätten sie auf der Straße gebären müssen, und das wäre für Mutter und Kind auch nicht gut ausgegangen. Zum Glück ist das heute nicht mehr so.

Heute gibt es Tierversuche.
Preuß: Wäre es Ihnen lieber, dass Menschen krepieren? Ich bin auch Tierfreund, aber da muss man schon Unterschiede machen. Und es gibt mittlerweile genügend Produkte und Marken, die ohne Tierversuche arbeiten. Wenn man die kauft und unterstützt, dann kann man anfangen, etwas dagegen zu tun.

Sind sie froh, dass Sie in der heutigen Zeit leben?
Preuß: Natürlich! Ich bin sehr glücklich, im 21. Jahrhundert zu leben. Ich bin schon allein froh, dass ich nicht mehr an den Fluss muss, um Wäsche zu waschen. Für mich stellt sich allerdings die Frage nicht, was denn wäre, wenn ich in einer anderen Zeit leben würde. Ich glaube an das, was ich sehe und anfassen kann. Und ich bin im Jetzt und Hier, und hier mache ich es mir so schön wie möglich.

Aber Sie schlüpfen gerne in solche Rollen.
Preuß: Klar, für Schauspieler ist Historisches ein großer Abenteuerspielplatz. Man trägt andere Kostüme, bewegt sich in einem ganz anderen Set, spielt mit anderen Requisiten, hat kein Handy und kein künstliches Licht, weil es das einfach nicht gab. Es ist ganz toll für uns, da einzutauchen, eben weil wir nicht in dieser Zeit gelebt haben.

Sie bringen auch Opfer für ihre Rollen - für „Die Pilgerin“ haben Sie sich beispielsweise die Haare abgeschnitten. Wo setzen Sie die Grenze?
Preuß: Starke Gewichtszunahmen oder -abnahmen kämen für mich absolut nicht in Frage. Keine Rolle ist es wert, dafür die Gesundheit zu gefährden. Ansonsten bin ich für alles offen, was man äußerlich ändern kann, egal, ob es die Haare oder das Aussehen sind oder eine Alterungsmaske wie in „Adlon“. Ich wünsche mir da generell mehr Mut, die Schauspieler so zu stylen, wie man sie haben will. In Amerika ist das gang und gäbe. Aber alles nur, solange es mit der Gesundheit zu vereinbaren ist.

Geht die eine oder andere Rolle emotional an die Substanz?
Preuß: Ja klar, es ist aber vor allem die Frage, wie sehr ich eine Rolle an mich heranlasse. Und wie trainiert ich als Darsteller bin, damit ich nach Drehschluss kein Stück der Rolle in meinen privaten Raum mitnehme. Aber das ist Übungssache, irgendwann hat man es raus.

Und Sie können das?
Preuß: Das muss ich. Denn der Beruf ist ja auch nicht dazu da, mich zu therapieren. Klar, mit 16 oder 17 gab es solche Situationen. Als ich „Jargo“ gedreht habe, ein Jugenddrama, da starb jemand auf meinem Schoss, und meine Kollegin hat das so toll gespielt, dass ich aus der Emotion erstmal nicht herauskam. Heute weiß ich mir da zu helfen. Für mich ist es einfach Drehen, ganz normale Arbeit.

Gesa entscheidet sich gegen ihren großen Traumberuf und für die Liebe. Würden Sie für einen Mann die Schauspielerei aufgeben?
Preuß: Nein, warum? Er lernt mich als Schauspielerin kennen, und entweder er kommt damit klar oder nicht. Ansonsten ist es nicht der richtige Mann für mich.

In Sachen Emanzipation sind wir ja glücklicherweise ein Stückchen weiter als damals.
Preuß: Es gibt allerdings auch heute noch genügend Länder, arabische Länder zum Beispiel, wo die Frau immer noch nicht gleichgestellt ist. Wir können froh sein, in Europa zu leben. Ich finde, dass wir hier zu viel über Frauen diskutieren. Wir haben eine deutsche Bundeskanzlerin, mehr Frauenquote geht nicht. Jetzt wird's langsam Zeit, dass sich die Männer wieder emanzipieren und bitte wieder Männer sein dürfen. Dieses metrosexuelle Gelaber finde ich schlimm. Es gibt Mann und Frau, und beide sind gut so, wie sie sind.

Ein Kind mit dem Beruf zu vereinbaren, ist allerdings auch in heutiger Zeit manchmal schwierig.
Preuß: Stimmt. Ich bin kein Fan unserer Familienpolitik. Wir reden alle vom demografischen Wandel, dafür muss aber auch etwas getan werden. Dann muss es Frauen so einfach wie möglich gemacht werden, nach dem Mutterschutz wieder in den Beruf zurückzufinden.

Passend zum Film gibt es das aktuelle Thema der Hebammen-Verordnung.
Stimmt. Da stirbt auf dem Land ein ganzer Berufszweig aus. Als Frau überleg ich mir dann doch dreimal, ob ich ein Kind bekomme, wenn es im Umkreis von 80 Kilometern keine Betreuung gibt. Die Haftpflichtversicherungen weigern sich nun auch, Hebammen zu versichern, das käme einem Berufsverbot gleich. Das ist eine Frechheit! Das ist ein Beruf, den man braucht. Hebammen holen Leben auf die Welt. Und sie sind nicht nur für die Entbindung da, es geht auch um Vorsorge, Nachbetreuung und das alles. Die Hebamme ist für die schwangere Frau einfach die wichtigste Ansprechpartnerin. Und wenn die Krankenkassen und Versicherungen da keine Regelung finden, dann kann Deutschland mal sehen, wo es hinkommt mit seinem demografischen Wandel.

Haben Sie selbst den Wunsch, eines Tages Kinder zu bekommen?
Preuß: Das weiß ich nicht. Im Moment ist das überhaupt kein Thema für mich, aber wer weiß. Ich bin erst 28 und hab also auf jeden Fall noch ganz lange Zeit.

Thema Abtreibung: Wie ist Ihre Meinung dazu?
Preuß: Es kommt ganz auf die Situation an. Ich bin der Meinung, erstmal sollte die Frau entscheiden. Generell bin ich dafür, Kinder dann in die Welt zu setzen, wenn es passt. Wenn man sich einfach bewusst ist, dass es finanziell und zeitlich passt, dass ich dem Kind etwas bieten kann. Ich bin nicht prinzipiell gegen Abtreibung, denn es gibt einfach Zeugungen, die nicht freiwillig passiert sind, und dann verstehe ich es absolut, dass man das Kind nicht austragen will. Ein Kind sollte in purer Liebe auf die Welt kommen.
Jennifer Caprarella/SpotOn, Quelle: Focus

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