Dienstag, 25. März 2014

Hatte Phantomschmerzen (tz)

München - Josefine Preuß spielt im SAT.1-Historienthriller "Die Hebamme" die Hauptrolle - es war eine mit Nebenwirkungen, wie sie im tz-Interview verriet.

Werdende Mütter sollten sicherheitshalber ihren Arzt oder Apotheker befragen, bevor sie sich Die Hebamme anschauen. Denn auch ohne Rotwein-Zimt-Trunk könnte der dramatische Historienthriller vorzeitige Wehen verursachen. Erzählt wird die Geschichte der 19-jährigen Gesa (gespielt von Josefine Preuß), die im 18. Jahrhundert in die Universitätsstadt Marburg zieht, um den Beruf ihrer verstorbenen Mutter zu erlernen: Hebamme. Zwischen Studentenexperimenten an Gebärenden und blutigen Niederkünften wird Gesa auch noch Zeugin einer Mordserie und erforscht das Geheimnis ihrer eigenen Vergangenheit. Für Hauptdarstellerin Josefine Preuß eine Paraderolle mit Nebenwirkungen, wie sie im tz-Interview verriet.

Frau Preuß, welche Szene ist Ihnen am schwersten gefallen?
Josefine Preuß: Das waren schon die Szenen mit den Studenten, die mit ihren gebutterten Fingern Tastbefund bei den Gebärenden machen und mit Geburtszangen hantieren. Da hatte ich kurzzeitig mit Phantomunterleibsschmerzen zu kämpfen. Wir hatten ein sehr reales Szenario und toll gebaute Leichen, die echtes Unbehagen verursacht haben. Das hilft enorm beim Spielen.

Die Hebamme ist bereit, ihren Lebenstraum für ihre große Liebe aufzugeben. Ein Gedanke, der für Sie nachvollziehbar ist?
Preuß: Auf keinen Fall! Nicht in der Zeit, in der wir heute leben. Im 21. Jahrhundert müssen wir uns glücklicherweise nicht mehr zwischen Familie und Beruf entscheiden. Natürlich wird es uns auch heute nicht immer leicht gemacht, beides zu leben. Aber dieses strikte Entweder-oder gibt es einfach nicht mehr.

Üben Historienfilme eine besondere Faszinantion auf Sie aus?
Preuß: Auf jeden Fall. Ich finde es spannend, mich in einer ganz anderen Zeit zu bewegen. Da machen Kleider natürlich Leute. Und in diesen opulenten Kostümen in eine Epoche einzutauchen, die so unterschiedliche Wertvorstellungen und Verhaltensweisen hatte, ist wie ein riesiger Abenteuerspielplatz.

Apropos Spielplatz: Die junge Josefine, die in „Türkisch für Anfänger“ zum Teenieidol wurde, ist erwachsen geworden …
Preuß: Ja, Gott sei Dank. Mir wurden damals haufenweise Teenierollen angeboten, aber ich hab gesagt: Nee, stopp, ich werde älter, und meine Rollen sollen auch älter werden. Im Moment bin ich tierisch dankbar und demütig, dass ich meine Fühler in alle Richtungen aus­strecken und so tolle Rollen spielen darf.

Trotzdem sind Sie gerade bei den jungen Zuschauern sehr beliebt. Ist das im Alltag manchmal anstrengend?
Preuß: Ach, ich laufe sehr unauffällig durchs Leben. Vielleicht weil ich so kurz bin. Da gucken die meisten drüber (lacht). Aber natürlich baue ich mir meine kleinen Inseln und vermeide es beispielsweise, nachmittags zu H&M zu gehen. Trotzdem werte ich es als Kompliment, wenn jemand auf mich zukommt. Ich würde ja auch niemanden ansprechen, den ich scheiße finde.

Was sagen Sie Teenagern, die Ihnen nacheifern und Schauspielerin werden wollen?
Preuß: Dass das einer der schönsten und einer der schrecklichsten Jobs, die es gibt. Ich erlebe ihn gerade von der schönen Seite, aber es gibt auch ganz viele junge talentierte Schauspieler, die mit ein paar Drehtagen pro Jahr auskommen müssen. Das ist frustrierend. Wer aber Leidenschaft für den Beruf spürt, der sollte es ausprobieren, in Theatergruppen spielen oder erst mal als Statist anheuern.

Warum haben Sie so kurz vor Schluss die Schauspielschule abgebrochen?
Preuß: Weil sie mir das Drehen verbieten wollten. Damals kam die Anfrage für Türkisch für Anfänger. Ich war mir sicher, dass ich das nicht ablehnen darf. Glücklicherweise – sonst säße ich heute wohl nicht hier.

Astrid Kistner
„Die Hebamme“, Dienstag, 20.15 Uhr, SAT.1
 Quelle: tz

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