Mittwoch, 19. März 2014

Ich denke bei Filmblut immer an Erdbeersoße (T-Online)

Interview zum Film "Die Hebamme"
06.03.2014, von Lars Schmidt, Quelle: T-Online.de

Starke Frauen sind zurzeit ihr Ding. Ob in "Das Adlon", "Die Pilgerin" oder jetzt in "Die Hebamme" - Josefine Preuß überzeugt in ihren Rollen als Kämpfernatur. In dem Sat.1-Film (25. März, 20.15 Uhr) begehrt sie als ambitionierte Hebammenschülerin gegen den Mediziner und Professor Kilian (Axel Milberg) auf, der im Marburg des Jahres 1799 ledige Schwangere zu Studienzwecken missbraucht. Und auch wenn die Kameras ausgeschaltet sind, vertritt die zierliche 28-Jährige eisern ihre Standpunkte. So sieht sie im Interview mit T-Online.de die Zukunft der freiberuflichen Hebammen in Gefahr und äußert sich sehr kritisch zu den vielen Personal- und Ortswechseln beim "Tatort". Und dann gibt die Schauspielerin noch ihr Wissen über Filmblut preis.

T-Online.de: Frau Preuß, können Sie Blut sehen?
Josefine Preuß: Mein eigenes nicht. Anderes ja. Filmblut sowieso.

T-Online.de: Wie groß sind die Unterschiede zwischen Filmblut und echtem?
Josefine Preuß: Das erkennt man. Filmblut ist dickflüssiger. Es gibt verschiedene Rottöne. Je nachdem ob es frisches, altes, oder geronnenes Blut ist. Ich denke dabei immer an Erdbeersoße.

T-Online.de: Klingt sehr fachmännisch…
Josefine Preuß: Ja. Ich hatte schon oft mit Filmblut zu tun. Gerade auch für den Film "Die Hebamme". Da haben wir viele verschiedene Blutkonserven benutzt.

T-Online.de: Wo wir gerade dabei sind. In einer Szene am Anfang müssen Sie sich heftig übergeben. Woraus besteht Filmkotze?
Josefine Preuß: Die Requisite rührt da ganz tolle Sachen an. Müsli, Bananensaft und andere Sachen, die nach Kotze aussehen. Das nimmt man dann in den Mund. Aber nicht zu viel, damit man keine dicken Backen hat. Denn beim ersten Würgen darf man noch nichts sehen. Und dann auf Kommando raus damit. Mund auf und laufen lassen.

T-Online.de: Was haben Sie außer den Erkenntnissen über Filmblut und -kotze bei den Dreharbeiten zur "Hebamme" an Wissen mitgenommen?
Josefine Preuß: Einiges. Ich habe zur Vorbereitung mit Hebammen gesprochen und viel Sekundärliteratur zum Thema gelesen. Die ersten Hebammenbücher stammen aus dem 15. Jahrhundert. Die waren sehr interessant. Und wir hatten während der Dreharbeiten immer eine professionelle und sehr liebe Hebamme am Set, die uns fachmännisch betreut hat. Wenn etwas nicht echt aussah, hat sie uns gleich darauf hingewiesen. Denn das ist ja schließlich mein Anspruch. Der Zuschauer soll hinterher sagen: "Das sieht ja toll aus." Und ich kann jetzt umso besser verstehen, warum Frauen diesen Beruf wählen.

T-Online.de: Ein wichtiger Beruf, der momentan in einer Krise steckt, weil die Haftpflichtversicherung für freiberufliche Hebammen ab 2015 exorbitant ansteigen soll und diesem Berufsmodell damit das Aus droht.
Josefine Preuß: Genau. Wir stehen gerade vor der Entscheidung, ob es diesen Beruf in Zukunft noch geben wird. Dabei geht es aber nicht nur um freiberufliche Hebammen an sich. Es geht um die Versorgung der Schwangeren auf dem Land. Nicht allein um die Entbindung - es geht um Vorsorge, um Nachbetreuung. Die Politik schreit immer auf, wenn es um demografischen Wandel geht, weil die Gesellschaft zu alt wird. Andererseits machen sie es den Frauen noch schwerer, sich unbekümmert auf Schwangerschaft und Geburt zu freuen. Und das ist sehr traurig für Deutschland. Vielleicht lenkt unser Film - auch wenn er etwas anderes thematisiert - die Aufmerksamkeit auf diese Vorgänge.

T-Online.de: Wie lautet Ihre Einstellung zu eigenen Kindern nach den Dreharbeiten zur "Hebamme"?
Josefine Preuß: Ich glaube ich brauche jetzt zwei, drei Jahre, um die Bilder zu vergessen und dann können Sie mich noch mal fragen. Erst mal ist nichts  geplant, aber planen kann man sowas ja sowieso nicht.

T-Online.de: Das Instrumentarium und die Methoden der Ärzte aus dem 18. Jahrhundert erinnern teilweise an Folter. Was hat Ihnen den größten Schrecken eingejagt?
Josefine Preuß: Die lederne Mutter (Modell des weiblichen Unterleibs, an dem die Hebammen und Medizinstudenten ausgebildet wurden, Anm. d. Red.) zu sehen war schon sehr speziell, aber im Vergleich harmlos. Die damaligen Forschungsmethoden, wenn die Studenten da in einer Reihe stehen und mit gebutterten Fingern den Tastbefund machen müssen, das ist für Frauen nicht angenehm. Aber Fakt ist auch, dass wir nur aufgrund dieser medizinhistorischen Untersuchungen heute so viel wissen. So grausam und makaber es klingt: Es mussten erst ein paar Leute sterben, damit wir wissen, wie wir Krankheiten zu behandeln haben.

T-Online.de: In einem Interview zu Ihrem Film "Die Pilgerin" haben Sie gesagt, sie seien der "hygienischste Mensch der Welt". Haben Sie die Dreharbeiten zur "Hebamme" in dieser Aussage bestätigt?
Josefine Preuß: Definitiv. Zum Glück ist der ganze Dreck, der da herumliegt, ja nur Kulisse. Aber hätte ich in dieser Zeit gelebt, wäre ich nicht alt geworden. Ich bin so froh, eine Waschmaschine zu haben und nicht an den Fluss zu müssen.

T-Online.de: Wie lang sind denn Ihre Haare inzwischen nachgewachsen, die Sie für "Die Pilgerin" abschneiden lassen mussten?
Josefine Preuß: Ich habe wieder die alte Länge - dank meiner ersten Extensions. Die habe ich für mein neuestes Projekt bekommen. Ich liebe meinen Job!

T-Online.de: Was für ein Projekt ist das?
Josefine Preuß: Es geht um die Schlecker-Affäre. Der Arbeitstitel lautet "Die Abrechnung". Da bin ich als "Schlecker-Frau" dabei.

T-Online.de: Eine Ihrer bekanntesten Rollen ist die der Lena in "Türkisch für Anfänger". Seit Elyas M’Barek mit "Fack ju Göhte" von Erfolg zu Erfolg eilt, ist auch von einem zweiten "Türkisch für Anfänger"-Teil die Rede. Können Sie den Fans da Hoffnung machen?
Josefine Preuß: Kann ich leider nicht, weil nichts geplant ist. Die Jungs drehen "Fack ju Göhte 2". Da bleibt keine Zeit für "Türkisch für Anfänger 2".

T-Online.de: Sie hatten im Leipziger "Tatort" einen Gastauftritt. Nun werden Simone Thomalla und Martin Wuttke abgelöst...
Josefine Preuß: Das ist eine Frechheit, wie die ARD mit ihren langjährigen Mitarbeitern umgeht. Und das ist ja nicht nur in Leipzig passiert. Das ist einfach nicht schön. Und so langsam ist das für uns Schauspieler nicht mehr die Königsklasse. Da machen so viele mit, dass es nichts mehr mit dem zu tun hat, wofür es früher mal stand. Je mehr Ermittlerteams es gibt, desto weniger Folgen werden pro Team gedreht. Die Zuschauer haben weniger Zeit, sich mit den einzelnen Teams zu identifizieren. Das alles finde ich sehr schade für den "Tatort", weil er nicht mehr das ist, was er mal war.

T-Online.de: Der Job als "Tatort"-Kommissarin ist für Sie also nicht erstrebenswert?
Josefine Preuß: Nein. Vor drei Jahren habe ich noch gesagt, "Tatort"-Kommissarin wäre geil. Aber mittlerweile hat sich das geändert. Ich sehe selber nicht mehr durch, wer da wo ermittelt. Es würde meiner Meinung nach reichen, wenn wir in vier oder fünf großen Städten einen Kommissar hätten, von dem dann drei bis vier Fälle pro Jahr gezeigt würden. Aber nicht noch in Wanne-Eickel oder Buxtehude ein "CSI" für Arme drehen.

T-Online.de: Sie sind großer Fan von Union Berlin. Steigt die Mannschaft dieses Jahr in die Bundesliga auf?
Josefine Preuß: Wir wollen gar nicht aufsteigen! Das sagt dir jeder Fan, den du in der Alten Försterei fragst. Wir sind lieber in der zweiten Liga und da im oberen Drittel, anstatt in der ersten Liga von Bayern und Dortmund auf die Fresse zu kriegen. Von den finanziellen Verpflichtungen in der Bundesliga ganz zu schweigen.

T-Online.de: Dann drücke ich die Daumen, dass Union höchsten Vierter wird und bedanke mich für das Gespräch.

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