Donnerstag, 17. April 2014

Mit 60 relax ich in Warnemünde

Interview mit Josefine Preuß der Online-Zeitung Zeitjung
Wir haben mit Josefine Preuß über Onesies und Omnipräsenz gesprochen. Über Männer auch. 

Von Rosali Wiesheu

Josefine Preuß spielt im neuen Film „Irre sind männlich“ (Filmstart 24. April 2014) die komplexbeladene Exfreundin des Protagonisten Daniel, dargestellt von Fahri Yardim. Im Film testen die beiden Kumpels Daniel und Thomas, gespielt von Milan Peschel, das Aufreißpotenzial von Gruppentherapien.

Ich sitze im Bayerischen Hof auf einem filigran bestickten Stuhl in einem prunkvoll wandverschnörkelten Raum und warte. Plötzlich geht die Tür auf, Josefine Preuß stürmt mit Karacho ins Zimmer, nimmt mit Schwung Platz auf dem opulenten olivgrünen Sofa in der Raummitte, grinst und streckt mir die Hand zur Begrüßung aus.

ZEITjUNG.de: Josefine, sind Irre männlich?
Josefine Preuß: Männer sind irre, Irre sind männlich, weil sie Männer sind, weil es dazu gehört, weil sie uns nicht verstehen und weil es sie umso liebenswerter macht. Als Frau muss man einfach nur checken, dass Männer definitiv auch ihre Tage haben, obwohl sie es vehement abstreiten. Aber das gibt's und das stimmt wirklich!

Im Film will deine Rolle Mia ihren Daniel erst wieder zurückhaben, nachdem er nicht mehr an ihr interessiert ist. Kennst Du das auch?
Ich denke, das ist eine ganz natürliche menschliche Reaktion. Distanz schafft Nähe. Was wir nicht haben können, das wollen wir umso mehr. Das ist bei einer Handtasche so, die wir im Schaufenster erblicken oder einer Jacke, die wir an einer Freundin sehen. Das liegt in unserer Natur. Allerdings… (überlegt kurz) wenn du unbedingt gefunden werden willst, dann passiert das meistens erst recht nicht. Meine Oma hat vollkommen Recht, wenn sie sagt, du musst nicht suchen, du wirst gefunden. Und so ist es. Egal wann. Wir können alle unseren Frühling erst mit 70 erleben. Wichtig ist, dass wir alle überhaupt einen ersten Frühling haben.

Hattest du denn deinen „ersten Frühling“ schon?
Statt einer zufriedenstellenden Antwort bekomme ich eine 1A Sporteinlage präsentiert. Josefine nimmt Schwung, kraxelt auf den mahagonifarbenen Sofarand und blickt aus der langen Fensterfront hinaus. Nach einer kurzen Pause dreht sich schelmisch zu mir um und konstatiert:
Also gerade sieht das Wetter ja eher so verdammt nach Herbst aus, oder?

Na gut… Möchtest du uns vielleicht erzählen, was der peinlichste Anmachspruch war, der dir jemals widerfahren ist?
„Hier hast du einen Euro. Ruf deine Mutter an und sag ihr, dass du heute nicht nach Hause kommst.“ (Guckt angesäuert. Grinst dann breit.)
Ich hab ihm ein Glas Wasser ins Gesicht geschüttet. Sorry, aber ich meine, er hätte auch einfach nur „HALLO“ sagen brauchen…

Was hältst du von Therapien?
Ich kann total verstehen, dass, wenn jemand eine scheiß Kindheit hatte oder sonst andere Probleme, man die einfach nicht mit seinem engsten Umfeld bereden will. Dafür braucht man dann professionelle Hilfe; jemanden, der das studiert hat. Meine Therapeuten sind meine Familie und meine Freunde, weil sie mich einfach am besten kennen. Ich benutze auch nicht den Job, um mich zu therapieren. Dann würde ich irre werden. Dann wäre ich echt der nächste Klaus Kinski.

Hast du irgendwelche Psychosen oder Neurosen, die du dir gerne wegtherapieren lassen würdest?
Ja, ich möchte immer recht haben. Und ich habe auch immer Recht (grinst). Ich bin schon so ein Klugscheißer. Das merke ich vor allem daran, dass keiner mit mir Quizduell spielen will, weil ich immer gewinne. Und irgendwie will auch keiner mit mir auf der Konsole zocken…

Mit „Türkisch für Anfänger" hattest du relativ schnell relativ großen Erfolg, der sich durch deine Rollen in „Adlon“, „Die Hebamme“ und „Die Pilgerin“ fortsetzt. Wie bleibst du am Boden?
Ich hab einfach die bodenständigsten Eltern und ich bin generell nicht der Typ zum Abheben. Ich mache da auch einen klaren Cut zwischen meinem Job und meinem Privatleben. Ich renn zum Beispiel zu Hause voll oft in so einem eher peinlichen Onesie herum, den man bis obenhin zumacht… Ich weiß auch nicht, was die Leute sich immer so vorstellen. Dass man in Abendkleid und High Heels staubsaugt?

Dem Spiegel hast du 2012 gesagt, dass du weg von der Comedy willst und lieber emotional in Rollen richtig eintauchen möchtest, dich entblößen. Das ist ja bei „Irre sind männlich“ eher nicht so der Fall. Bist du nach deinen tragischen Rollen in den letzten Filmen nun wieder bereit für Komödien?
Ich muss sagen, dass ich einfach totales Glück hatte, den richtigen Produzenten für mich zu finden. Oliver Berben, der auch als Executive Producer bei „Irre sind männlich“ beteiligt ist, ist bis dato der Erste, der gesagt hat, ich glaube dir, dass du was anderes als Teenie-Komödien kannst und ich würde auch gern mal was anderes von dir sehen. Ein totaler Wendepunkt war da der Film „Adlon“ 2013. Ich weiß, was Oliver damit für ein Risiko eingegangen ist. Er hat damals von allen Seiten gehört: „Ach, die doch nicht. Komm, die kann Komödie, aber die kannst du doch nicht für so eine Rolle besetzen.“ Ich hatte einfach einen Produzenten, der mutig war. Oliver Berben… das ist ein Hammer, dass ich den gefunden habe.

Was ist jetzt noch mal so toll an dem?
Ich mag einfach seinen Mut. Oliver hat Eier in der Hose. Er glaubt an seine Projekte und lässt das auch jeden am Set spüren. Ein Film wird immer erst dann richtig gut, wenn auch alle Beteiligten – von den Schauspielern bis zu den Kabelträgern und dem Catering – miteinbezogen sind, sich wohl fühlen. Oliver macht das komplette Setting sehr familiär. Sobald es ein Problem gibt, packt er es an und findet einfach eine Lösung. Er vertraut, entwickelt, hat Mut und steht zu seinem Wort. Das finde ich toll!
Noch dazu, wenn man bedenkt, dass er es nicht leicht gehabt hat. Als Sohn einer der renommiertesten deutschen Schauspielerinnen hat jeder zu ihm gesagt: „Ist doch klar, dass du in die Filmbranche kommst. Du hast ja deine Connections.“ Nein, Oliver Berben hat sich extremst angestrengt: er war Produktionsfahrer, Regieassistent, hat Continuity gemacht. Er hat sich alles selbst erarbeitet und zwar immer mit dem Vorwurf „Ach du bist doch der Sohn von…“ Davor habe ich einen Heidenrespekt!

Welche Projekte stehen als nächstes an?
Jetzt im Mai beginnen die Dreharbeiten für den vierten Teil meiner Lotta-Reihe im ZDF. Und im Spätsommer steht dann vielleicht wieder eine Kinokomödie an. Und nein, es handelt sich hierbei nicht um „Türkisch für Anfänger 2“! Generell muss ich aber auch ein bisschen ruhiger treten. Ich war jetzt einfach in den letzten Monaten sehr präsent im Deutschen Fernsehen und möchte eigentlich gar nicht so omnipräsent sein… Ich möchte auf keinen Fall bei den Menschen irgendwann diesen Effekt auslösen: „Ooooch, die schon wieder.“

Wie verbringst du deine Filmpause? Hast du schon Pläne?
Ich habe jetzt durchschnittlich hoffentlich gute 55 bis 60 Jahre vor mir. Die will ich vor allem nutzen, um zu reisen. Ich bin mir bewusst, dass man, um die schönsten Ecken der Welt zu besichtigen, einfach zehn bis zwölf Stunden im Flieger sitzt. Das mache ich lieber jetzt als mit 60. Denn mit 60 relax ich wahrscheinlich in einer Hängematte in Warnemünde. Jetzt will ich die Welt sehen.

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