Sonntag, 24. August 2014

Interview zu Saphirblau (Filmfutter)

Erst vor zwei Jahren war Josefine Preuß mit Türkisch für Anfänger – Der Film im erfolgreichsten deutschen Film von 2012 im Kino zu sehen. Zuletzt begeisterte sie Millionen von Fernsehzuschauern in historischen Streifen wie Die Hebamme und Die Pilgerin. In Rubinrot und Saphirblau spielt sie die wichtige Rolle von Lucy Montrose – ein Part, der ihr wie auf den Leib geschrieben ist. In unserem Gespräch verriet sie uns, worauf ihre Faszination mit der Edelstein-Trilogie beruht, weshalb sie diese “Harry Potter” vorzieht und wie die Chancen von Türkisch für Anfänger 2 stehen.
von Athur A. (Filmfutter)

Filmfutter: Hast Du den Film bereits gesehen?
Josefine Preuß: Nee, noch gar nicht. Die Premiere heute ist auch meine Premiere. Es gab wohl vorab ein Screening mit den Darstellern, aber zu der Zeit konnte ich nicht. Ich lasse mich heute also überraschen. Ich kann noch gar nichts zu dem Film sagen. Über das Drehbuch, die Dreharbeiten und die Vorlage kann ich erzählen, aber ich bin gespannt, wie der Film jetzt aussieht. Gerade darauf, wie unser Stunt funktioniert hat. Ich bin ja immer von diesen Zeitrücksprungaktionen fasziniert. Das war schon lustig zu drehen, aber jetzt will ich es auch sehen.

FF: Ihr werdet dann an den Seilen hochgezogen, oder? Wie fühlt sich das an?
JP: Toll. Ich liebe es, Stunts zu machen.

FF: Darfst Du viel selbst machen?
JP: Man darf nicht alles selbst machen. Aber ich versuche, so viel wie möglich selbst zu machen. Eben alles, was die Versicherung mitmacht, aber da gibt es strenge Vorgaben beim Film.

FF: Deine Rolle als Lucy ist im zweiten Film etwas wichtiger und emotionaler. Hast Du dich da auf eine bestimmte Szene im Vorfeld gefreut?
JP: Shakespeare zu treffen! Ich muss dazu sagen, dass ich die Thematik der Edelstein-Trilogie schon viel länger kenne, weil ich schon damals für Kerstin Gier die Hörbücher einlesen durfte. Ich weiß noch, wie ich beim Einsprechen des zweiten Teils, „Saphirblau“, im Hörbuchstudio saß und dachte: „Mein Gott, hier wird die ganze Zeit von rothaarigen Frauen geredet, die in der Zeit reisen. Also wenn ich beim Film nicht für eine Rolle angefragt werde, dann fresse ich ’nen Besen!“ Und dann war es wirklich einige Wochen später so weit für Rubinrot. Wenn man weiß, wie wichtig die Rolle von Lucy ist, was sie inhaltlich in der Geschichte ist und was sie für Gwendolyn ist, dann weiß man, was für ein interessanter Charakter sie ist. Ich wollte sie unbedingt spielen. Ich fand die Bücher aber auch alle richtig schön. Ich bin nie auf „Harry Potter“ kleben geblieben, das war mir zu sehr „Muggels“ und die abgefahrene Fantasywelt (lacht), aber die Edelstein-Trilogie ist für mich echt gute Unterhaltung – sowohl im Buch als auch im Film.

FF: Stimmt, Du hast in Vergangenheit in anderen Interviews schon erwähnt, dass Du kein Fan von „Harry Potter“ bist. Wo siehst du den Unterschied zwischen „Harry Potter“ und der Edelstein-Trilogie? Einige sagen ja, die Trilogie sei das „deutsche Harry Potter“…
JP: Ich würde das auch gar nicht vergleichen. Geschichten sind dazu da, um zu erzählen. Ob sie nun realistisch sind oder nicht, ist egal. Ich muss mich in Geschichten verlieren und sie müssen mich fesseln. Das Schönste an einem Buch oder einem Film ist, wenn du vergisst, dass es ein Buch oder ein Film ist. Mit „Harry Potter“ bin ich nie warm geworden. Zauberlehrlinge in einer Zauberschule…das war nicht mein Ding. Bei der Edelstein-Trilogie finde ich die Thematik von Zeitreisen echt super. Und auch als Filme – für die Zielgruppe und als ein Unterhaltungs- und Familienfilm haben Rubinrot und Saphirblau einfach alles dabei. Wir haben ein bisschen Action, wir haben ein bisschen Drama, wir haben eine ganz tolle Liebesgeschichte – eine moderne Variante von „Romeo und Julia“. Eigentlich gibt es ja sogar zwei Liebespaare – Lucy und Paul sind die Vorreiter von Gwen und Gideon. Es ist einfach eine schöne, verflochtene Geschichte mit tollen, starken Charakteren und einer guten Besetzung.

FF: Als Du die Romane zum ersten Mal gelesen hast, hast Du dir also schon vorgestellt Lucy zu spielen?
JP: Damals nicht speziell Lucy. Ich dachte nur, dass bei rothaarigen Frauen, die durch die Zeit reisen…tja, so viele rothaarige Schauspielerinnen gibt es in Deutschland gar nicht. Bei den Hörbuchaufnahmen zu „Saphirblau“ wurden schon Gerüchte laut, dass die Reihe verfilmt werden soll. Ich fand es auch ganz toll, dass Kerstin Gier die Rechte in Deutschland gelassen hat. Das hat Cornelia Funke mit „Tintenherz“ ja anders gemacht. Das finde ich ganz toll, weil wir’s auch können. Kerstin Gier hätte damit auch nach Amerika oder England gehen können, die Bücher sind auch dort erfolgreich. Ich habe beim Einsprechen damals schon verkündet, dass ich schon gerne angefragt werden würde. Es war klar, dass ich nicht die Hauptrolle spielen konnte, aber Lucy zu spielen hat mich total gefreut! Lucy ist ein toller Charakter. Sie ist sehr geheimnisvoll, in dem, was sie zu verbergen hat und gerade in Saphirblau wird jetzt ganz klar, was für eine große Bedeutung sie hat.

FF: Du warst in relativ kurzer Zeitspanne in zwei Fantasyfilmen, Rubinrot und Saphirblau, und einem Horror-Mysterythriller, Lost Place, zu sehen. Das sind allesamt Genres, die in Deutschland nicht häufig vertreten sind…
JP: Die auch nicht gut laufen in Deutschland. Schade.

FF: Hast Du ein Faible für diese Genres?
JP: Gar nicht. Man könnte dann ja auch behaupten, dass ich ein Faible für Historienfilme habe, wenn ich Adlon, Die Pilgerin oder Die Hebamme drehe. Ich will immer möglichst unterschiedliche Sachen drehen und vor allem tolle Geschichten erzählen. Wenn du ein Drehbuch liest, weißt du nicht, ob der Film oder die Serie gut oder erfolgreich wird, ob wie bei Türkisch für Anfänger über 2 Millionen ins Kino gehen oder wie bei Lost Place nur drei Zuschauer. Das weiß ich nicht, aber danach richte ich meine Projekte nicht aus. Es muss mich beim Lesen packen.

FF: Aber woran liegt es, dass die Genrefilme hierzulande nicht so gut laufen?
JP: Weil es immer dieses Vorurteil gibt, dass wir es nicht so gut wie die Amerikaner können, dass wir nicht die technischen Mittel hätten, um Spezialeffekte gut aussehen zu lassen. Das ist Quatsch. Wenn man genug Geld hat und die richtigen Leute, dann sieht das auch in Deutschland fett aus. Aber das traut sich keiner. Was in Deutschland funktioniert, sind eben Romantic Comedies. Aber ich glaube, da ist der Markt auch übersättigt. Also ich kann mir jetzt nicht Kokowääh 23 anschauen (lacht). Es gibt noch andere Geschichten zu erzählen. Es muss auch nicht immer knallen und explodieren. Auch US-Filme wie Station Agent oder Juno sind tolle Streifen mit einer tollen Geschichte. Es passiert kaum was, aber sie sind super. Das wird in Deutschland nie funktionieren.

FF: Die Studios in Deutschland trauen sich nicht viel.
JP: Mutlos, ja. Wir haben echt gute Leute, Autoren. Es gibt einige echt gute, junge und motivierte Leute im Geschäft, aber sie müssen erstmal von den Produzenten angenommen werden und das dauert ein bisschen. Ich finde auch, dass in unserem Serienmarkt noch so viel passieren muss.

FF: Du hast ja auch kürzlich große Erfolge im Fernsehen gehabt, mit Die Pilgerin und Die Hebamme. Wenn man jetzt nach USA schaut, dann können dort die Serien locker mit dem Kino mithalten. Denkst Du, dass es in Deutschland irgendwann auch so weit sein wird?
JP: Nicht so wie in Amerika, aber wir sind noch sehr ausbaufähig, was Serien anbelangt. Es gibt immer 2-3 Perlen, die funktionieren. „Danni Lowinski, „Der letzte Bulle“„Der Tatortreiniger“ ist toll oder auch Dominik Grafs Miniserie „Im Angesicht des Verbrechens“. Selbst „Türkisch für Anfänger“ war toll oder auch „Berlin, Berlin“. Wir müssen uns trauen und es ist auch in der Verantwortung der Sender; nicht eine Staffel zu produzieren und dann nach der zweiten Folge zu sagen: „Oh, wir erreichen die Marktanteile nicht, also schicken wir es ins Nachtprogramm.“ Man muss den Leuten auch ein bisschen Zeit geben, sich daran zu gewöhnen. Hätten wir bei „Türkisch für Anfänger“ alles nach Quoten beurteilt, wäre es nie zum Kinofilm gekommen, denn auch unsere Quoten waren bescheuert. Wenn man eine Serie produziert, dann soll man sie bitte auch senden. Es muss so schlimm für die Darsteller und die Crew sein, wenn du ein halbes Jahr deines Lebens damit verbringst, etwas auf die Beine zu stellen und es dann weggesendet oder gar nicht gesendet wird. Das muss furchtbar sein und ich glaube, das ist der Grund, weshalb gerade jetzt viele gute Leute keine Serien machen wollen. Man weiß nie, ob es ein fester Job ist oder ob es nur die Pilotfolge ist, die läuft. Da muss sich in Deutschland was ändern.

FF: Arbeitest Du lieber für das Kino oder fürs Fernsehen?
JP: Ich mache da gar keinen Unterschied. Man spielt ja auch nicht anders für die Kamera. Kamera ist Kamera… Man erreicht nur vielleicht ein unterschiedliches Publikum. Was wir in Deutschland richtig gut können, sind Mehrteiler, wie „Adlon“ oder „Unsere Mütter, unsere Väter“. Was war das für ein hammermäßiges deutsches Fernseh-Event! Wir können es! Das funktioniert richtig gut. Und damit erreichst du auch 6-7 Millionen, die du mit einem Kinofilm kaum erreichen kannst. Es gibt bestimmte Projekte, die nur im Fernsehen funktionieren.

FF: Merkst Du am Set einen Unterschied zwischen einem Kinofilm und einer Fernsehproduktion?
JP: Der Aufwand am Set eines Kinofilms ist schon ein bisschen größer. Aber nicht die Motivation oder der Wille der Leute, etwas Gutes zu machen. Beim Kino, je nachdem wo die Förderung herkommt, ist man auch viel mehr unterwegs. Fernsehen ist etwas kleiner, gemütlicher und familiärer.

FF: Ein Thema, das mir bei Rubinrot und Saphirblau stark aufgefallen ist, ist Emanzipation. Frauen werden innerhalb der Loge als minderwertig gesehen und starke Frauen wie Lucy oder Gwen müssen sich erst beweisen. Leider ist diese Ungleichheit auch ein Thema, das in der Gesellschaft immer wieder noch auftritt.
JP: Findest du? Wir haben immerhin eine Kanzlerin und eine Verteidigungsministerin.

FF: Und dennoch sind beispielsweise die Gehälter von Männern und Frauen in gleichen Positionen nicht gleich.
JP: Das stimmt, 7% weniger, habe ich gelesen. Aber diese Ungleichheit kennt man und man sagt ja auch, dass Frauen anders verhandeln müssen. Was ich aber noch viel schlimmer finde, ist die Ungleichheit zwischen West und Ost. Dass das mehr als 22 Jahre nach Mauerfall immer noch so ist, stört mich viel mehr. Aber das betrifft glücklicherweise nicht meine Branche. Das Problem der Ungleichheit zwischen Männern und Frauen merke ich in der Filmbranche aber selbst zum Glück nicht. Bei unserem Film hatten wir ja auch einen Mann und eine Frau als Regisseure.

FF: Wie war es eigentlich, unter zwei Regisseuren zu arbeiten?
JP: Das war nicht das erste Mal, dass ich das hatte. Wenn die Regisseure sich im Vorfeld einig sind, merkst du nur einen Regisseur, auch wenn da zwei stehen.

FF: Kannst Du uns etwas zu deinen künftigen Projekten verraten?
JP: Am 13. und 15. Oktober kommt „Alles muss raus“. Darin geht es um den Untergang einer Drogeriemarktkette, mit der Schlecker-Affäre als Vorlage. Es ist wieder eine Oliver-Berben-Produktion. Dann wird der vierte Teil meiner „Lotta“-Reihe Ende oder Anfang des Jahres gesendet.

FF: Was natürlich sehr viele Deiner Fans interessiert – wie stehen die Chancen von einem zweiten Türkisch-für-Anfänger-Film?
JP: Ich habe die Info, dass zunächst Fack Ju Göhte 2 gedreht wird. Das wird nächstes Jahr geschehen und Bora (Dagtekin) hat bestimmt nicht die Zeit und die Muse zwei Filme in einem Jahr zu machen, also wird man wahrscheinlich 2014 und 2015 von Türkisch für Anfänger 2 nichts hören. Aber sag niemals nie!

FF: Du wurdest bestimmt schon sehr häufig in den Interviews gefragt, in welche Zeit Du gerne zurückreisen würdest. Ich habe eine andere Variante der Frage. Wenn Du Deinem jüngeren Ich begegnen könntest, welche Weisheit oder welchen Ratschlag würdest Du ihr auf den Weg geben?
JP: Mach alles genau so, nur noch lauter. Sag wirklich immer, wenn dir was gegen den Kragen geht. Ich war zu oft zu brav. Ich hätte mehr ausrasten sollen an bestimmten Punkten. Ein bisschen auf die Kacke hauen. Das sollten eh generell alle mehr machen.

FF: Vielen Dank für das Interview!

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