Montag, 13. Oktober 2014

Ich bin viel zu langweilig für einen Shitstorm (SpotOnNews)

Mit der Komödie „Die Schlikkerfrauen“ ging Sat.1 trotz Star-Besetzung baden. Dies dürfte dem ZDF-Zweiteiler „Alles muss raus - Eine Familie rechnet ab“ zum ähnlichen Thema nicht passieren - und das nicht nur, weil Josefine Preuß darin oben ohne zu sehen ist. Im Interview verrät sie, ob sie Nacktszenen mag und was sie von Shitstorms hält.

Das absolut sehenswerte Pendant zu den „Schlikkerfrauen“ (Sat.1) ist das zweiteilige Gesellschafts- und Familiendrama über den Zusammenbruch eines Drogerie-Imperiums: „Alles muss raus - Eine Familie rechnet ab“ läuft am Montag, den 13. Oktober und Mittwoch, den 15. Oktober, jeweils um 20.15 Uhr im ZDF. Darsteller wie Josefine Preuß, Robert Atzorn, Florian Lucas, Lisa Martinek und Benjamin Sadler überzeugen auf ganzer Linie - vor allem in den kunstvoll und modern aneinandergeschnittenen Szenen. Dem ernsten Hintergrund von Massenentlassungen wird der Zweiteiler ebenfalls mehr als gerecht und das, ohne auf die Tränendrüse zu drücken oder auch nur einen Minute zu langweilen. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erklärt die Berliner Schauspielerin Josefine Preuß (28, „Türkisch für Anfänger“), die als Drogeriemarkt-Kassiererin Janine zu sehen ist, warum Oral-Sex zur Hauptsendezeit in Ordnung ist und was sie von Abtreibung hält - aber auch, was sie an ihrer Rolle mag.

Was mögen Sie an Ihrer Rolle Janine?
Preuß: Auf den ersten Blick kommt Janine sehr naiv und blauäugig rüber, sie ist ein herzlicher Mensch, der sein Herz auf der Zunge trägt. Außerdem ist sie eine große Optimistin, die sehr lange nicht wahrhaben will, dass so einiges in ihrem Leben schiefläuft - privat und beruflich. Irgendwann gesteht sie es sich ein und fängt an zu kämpfen. So etwas zu spielen, ist natürlich sehr schön.

Der Film erinnert an die reale Schlecker-Pleite.
Preuß: Grundsätzlich ist der Film fiktiv, wir lehnen uns aber natürlich an die vielen Insolvenzverfahren und die daraus resultierenden Schicksale der Angestellten, die es in jüngster Zeit gab, an: Schlecker, Hertie, Quelle, Karstadt. Und das werden ja nicht die letzten sein...

Sowohl die reiche Firmengründerfamilie als auch die arme Angestellte kämpft mit Geld-Problemen. Entsprechende Szenen sind raffiniert aneinandergeschnitten. Wie gefällt Ihnen dieser Stil?
Preuß: Das ist so ein bisschen wie bei der US-Serie „House of Cards“. Die vielen kleinen Szenen zusammengenommen führen dann zum großen Showdown. Das finde ist toll.

Witzig aneinandergeschnitten sind auch die beiden Oralsex-Szenen. Ist das grundsätzlich in Ordnung für einen 20.15-Uhr-Film?
Preuß: Auf jeden Fall. Man sieht ja nicht wirklich was. Das ist ja eher die Fantasie in den Köpfen der Zuschauer. Janine und Landers machen als Paar einfach das, was wir alle machen würden, wenn der Partner nach einer sehr langen Zeit zurückkommt. In Fabers Fall zeigen wir damit seine Machtposition nochmal eindeutiger: Während die Frau und die Tochter draußen feiern, lässt er sich von einer Kellnerin in einem Nebenzimmer befriedigen.

Wie pornoisiert ist unsere Gesellschaft?
Preuß: Ich finde es schrecklich, wie früh und einfach Kinder und Jugendliche heutzutage an pornografisches Material kommen. Da sollten die Eltern mehr aufpassen. Es sollte aber auch insgesamt mehr Aufklärung geben. Die Generation, die nach mir kommt, hat ein vollkommen falsches Bild von Sexualität. Sie sollten sie lieber selbst und persönlich entdecken und nicht durch das Internet. Das ist keine Liebe und nicht schön.

Im Film sind Sie oben ohne zu sehen. Wie unangenehm war das?
Preuß: Ich mache es weder gerne, noch fühle ich mich unwohl dabei. Es sind aber auch keine pornografischen Bilder, unter denen dann Josefine Preuß steht. Ich weiß genau, worauf ich mich einlasse, weil ich das Drehbuch kenne und die Szene sehr gut zwischen Regie, Kamera und mir abgesprochen ist: Was will ich zeigen? Was ist notwendig für den Film? Wie ästhetisch ist es gefilmt? Wie professionell ist das Umfeld? Ansonsten bin ich mit meinem Körper vollkommen im Reinen, denn der schaut ja nicht anders aus, als bei allen anderen Frauen auf der Welt auch.

Janine denkt mehrfach über einen Schwangerschaftsabbruch nach. Was halten Sie von diesem Recht, das lange erkämpft wurde?
Preuß: Ich denke, jeder darf mit seinem Körper machen, was er will. Wenn ich weiß, dass ich nicht in der wirtschaftlichen Lage oder emotional noch nicht bereit bin für ein Kind, kann verantwortungsvolles Handeln auch die Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch bedeuten.

Was halten Sie von der Liebe auf den ersten Blick?
Preuß: Ich glaube, dass es die Liebe auf den ersten Blick gibt. Zumindest so kleine Fünkchen, die man schon beim ersten Blickkontakt merkt. Wie es weitergeht, hängt dann von den betreffenden Menschen ab: Die einen brauchen mehr Zeit, um jemanden kennenzulernen, sich zu öffnen, zu vertrauen, andere verlieben sich Hals über Kopf.

Wie gehen Sie mit falscher Berichterstattung um?
Preuß: Das gab es bisher noch nicht, außer in einem Fall: Ein Nachrichtenportal behauptet seit Jahren, Vladimir Burlakov und ich seien ein Paar. Das stimmt nicht. Mehr als darüber aufklären, kann ich aber auch nicht. Wichtig ist mir nur, dass meine Familie, meine Freunde und mein engstes Umfeld wissen, was richtig und falsch ist. Wenn es aber mal eine massive Falschmeldung gäbe, würde ich schon reagieren. Allerdings auch nur, wenn sich zusätzlich im Ton vergriffen würde.

Fürchten Sie sich vor einem Shitstorm?
Preuß: Eigentlich nicht. Zum Glück habe ich aber auch noch keinen erlebt. Ich glaube, dass ich privat viel zu langweilig bin, was auch gut so ist. Und da ich Beruf und Privatleben außerdem fein säuberlich trenne, egal, in welchem Beziehungsstatus ich bin, provoziere ich vielleicht auch nicht so. Oft verursacht man einen Shitstorm selbst, indem man sich zu sehr exponiert.

Auch eine Hochzeit würde man nicht erfahren?
Preuß: Nein, auch die nicht. Wenn es nach mir ginge, würde man absolut gar nichts erfahren. So halte ich es auch mit den Sozialen Netzwerken. Ich bin sehr vorsichtig mit dem, was ich hochlade, poste und freigebe. Das zumindest liegt ja in der eigenen Hand.

Das Aussehen ist in Ihrem Beruf wichtig. Was machen Sie dafür?
Preuß: Ich mache gar nichts. Weder ernähre ich mich ausgewogen, noch mache ich viel Sport. Ich bin einfach sehr aktiv und ein Schnellverbrenner. Vorbildlich bin ich sicher nicht, weil es schon auch mal vorkommen kann, dass ich einen Tag lang so viel arbeite oder Stress habe, dass ich vergesse zu essen und mir dann abends eine Pizza bestelle. Mein Körper meldet sich in der Regel schon und sagt mir, wann und worauf er Hunger hat.

Welche Kalorienbombe gönnen Sie sich manchmal?
Preuß: Döner! Ich bin Berlinerin und habe direkt bei mir gegenüber den leckersten Döner aller Zeiten. Donnerstags ist eigentlich immer Döner-Tag. Das kann schon eine echte Kalorienbombe sein.

Was war Ihre eigene schlimmste Mode-Sünde?
Preuß: Rückblickend gab es da viele. Aus damaliger Sicht war ich aber einfach nur tierisch in.

Welcher Style gefällt Ihnen bei Männern am besten?
Preuß: Gepflegt sollte er sein. Ansonsten Jeans, T-Shirt und Sneakers - mehr braucht's nicht.

Keine Kommentare: