Montag, 13. Oktober 2014

Was bedeutet Ihnen Familie und Geld? (Bild am Sonntag)

Im Schlecker-Zweiteiler „Alles muss raus“ ist sie verplant und pleite
Von Dona Kujaczinski (Bild am Sonntag)

Janine hat so gar nichts gemeinsam mit Josefine.
Janine (Josefine Preuß) ist die Verkäuferin in dem Drogerieketten-Drama „Alles muss raus“ (13. und 15. Oktober, ZDF, 20.15 Uhr). Janine, Anfang zwanzig, ist durch und durch Frohnatur, lebt und träumt in den Tag hinein, denkt nicht an morgen, hat keine Familie, interessiert sich nicht für ihre finanzielle Sicherheit. Und hat einen Ex-Knacki als Freund, der sie belügt, schlägt, ja sogar auf sie schießt.
Josefine Preuß (28) ist privat das genaue Gegenteil ihrer aktuellen Filmfigur.

BILD AM SONNTAG: Frau Preuß, könnten Sie so leben wie die Verkäuferin Janine?
JOSEFINE PREUß: „Auf gar keinen Fall. Mir sind Sicherheiten wie zum Beispiel meine Rentenversicherung extrem wichtig.“

Wissen Sie, wie viel Rente Sie mit 65 bekommen?
„Wenn ich meinen Rentenbescheid von der Bundesversicherungsanstalt lese, lache und weine ich gleichzeitig: Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Deshalb habe ich bereits mit 14 Jahren eine private Rentenversicherung mit einer jährlichen Fünf-Prozent-Steigerung abgeschlossen.“

Mit vierzehn?
„Ja, mit vierzehn. Dass ein Teenager, der gerade seine ersten drei Drehtage hat, in Deutschland so etwas abschließen muss, finde ich ganz schön armselig.“

Andere Mädchen verlieben sich in diesem Alter zum ersten Mal, kaufen sich einen Lippenstift oder ein Smartphone.
„Ich war anders. Ich habe mich in diesem Alter für meine finanzielle Absicherung bereits sehr interessiert und war in solchen Dingen auch ziemlich belesen. Von meinem Vater wurde ich darin unterstützt. Er sagte stets: Für die eine Hälfte deiner Gage kannst du dir kaufen was du willst, die andere legst du auf die Bank. Das habe ich gemacht.“

Wie gut sind Sie heute abgesichert?
„Neben der privaten Rentenversicherung habe ich eine Haftpflicht- und eine Hausratversicherung. Mein Geld liegt ganz normal auf einem Tagesgeldkonto, sodass ich es im Zweifel sofort abheben kann. Aktien, Fonds oder Sparbücher besitze ich nicht. Ist mir alles zu unsicher.“

Kein Interesse an einer Pflegeversicherung?
„Da warte ich noch ein bisschen ab, obwohl ich mich mit diesem Thema beschäftige seit ich 2010 begann, die Lotta-Reihe für das ZDF zu drehen. In einer Folge war ich Praktikantin in einem Pflegeheim. Zur Vorbereitung bin ich selbst in ein Heim gegangen und war über die Schicksale dort und was man für eine einigermaßen gute Pflege bezahlen muss ziemlich erschüttert, auch weil ich daran dachte, was meinen Großeltern und meinen Eltern eines Tages zustoßen könnte.“

Wie wichtig ist Familie?
„Sehr wichtig, weil sie für mich Sicherheit bedeutet. Wir sind sehr eng und sehr vernetzt, gehen sehr liebevoll miteinander um und haben keine Geheimnisse voreinander. Meine Eltern und meine ältere Schwester sind nicht nur meine Familie, sie sind auch meine besten Freunde und Berater.“

Was haben Ihnen Ihre Eltern über das Leben beigebracht?
„Rausgehen, die Welt erobern, Fehler machen dürfen und sich selber nicht zu ernst nehmen. Wir sind eine sehr lustige Truppe.“

Nichts über Geld?
„Der letzte Tipp meiner Eltern war: Leg dir als Sicherheit eine Eigentumswohnung zu. Aber meine Schwester, die Stadtplanerin ist, sagte: „Stopp, im Moment nicht. Immobilienblase. Warte, investiere lieber in Kunst.“

Und, Rat befolgt?
„Nein, aber ich finde dieses beschützen wollen wahnsinnig lieb. Auch von meinen Eltern, die beide Beamte sind. Meine Mutter ist Geschichtslehrerin, mein Vater Polizeidirektor in Potsdam.“

Eine gute Voraussetzung für eine Rolle als „Tatort“-Kommissarin.
„Ich weiß nicht so richtig, weil es meiner Meinung nach im Moment zu viele 'Tatorte' gibt. Die schönen Zeiten, als man sich am Sonntagabend in einer Berliner Kneipe zum 'Tatort' gucken traf, sind leider vorbei.“

Würden Sie sich als gut verdienende Schauspielerin bezeichnen?
„Im Moment ja, da die Auftragslage in den letzten zwei Jahren sehr gut war und es für 2015 ganz ordentlich aussieht.“

Es gibt Kollegen, denen es deutlich schlechter geht.
„Man sagt, dass nur vier Prozent der deutschen Schauspieler von ihren Gagen leben können. Das ist erschreckend.“

Keine Angst davor, dasselbe Schicksal zu erleiden?
„Ich bin der Meinung, dass man seine Geschicke selbst in die Hand nehmen muss und alles in seiner Macht stehende tun sollte, damit es nicht soweit kommt. Das bedeutet, keine Höhenflüge sondern Bodenständigkeit, nicht auf Erfolgen ausruhen, sondern sich neben der Schauspielerei noch andere Standbeine schaffen. Ich spreche zum Beispiel auch Hörbücher oder synchronisiere Filme.“

Wissen Ihre Eltern noch was Sie verdienen?
„Nein. Meine Mutter will es zwar immer mal wieder wissen, aber in Punkto Kontostand hört meine Gesprächigkeit auf.“

Sind Sie großzügig?
„Und wie! Manchmal bis zur Verschwendungssucht. Da muss mich meine Familie dann bremsen.“

Kann man Sie ausnutzen?
„Früher schon. Jetzt nicht mehr. Ich habe an Freunde ab und zu Geld verliehen und musste oft ewig hinter ihnen hinterher rennen, um es wieder zubekommen.“

Sprechen Sie heute noch mit diesen Freunden?
„Ich habe ihnen verziehen. Vergessen nicht. In Bezug auf Schulden ist mein Leben sehr aufgeräumt.“

Und sonst?
„Sonst auch. Ich bin mit mir im Reinen, führe insgesamt ein sehr aufgeräumtes Leben. Alles ist gut organisiert, alles hat seinen Platz und einen Plan. Ich mag zum Beispiel mein Regal mit den Ordnern die akribisch beschriftet Seite an Seite dort stehen.“

Klingt ein bisschen nach Pedantin.
„Perfektionistin. Ich weiß ganz genau, welche Unterlagen in welchem Ordner stecken, weil ich es liebe, meine Papiere zu lochen und abzuheften oder in Klarsichthüllen zu stecken. Eigentlich wäre ich eine richtig gute Sekretärin.“

Wie aufgeräumt ist Ihr emotionales Leben?
„Auch das ist mittlerweile sehr gut aufgeräumt.“

Verlieben Sie sich leicht?
„Ich verknalle mich leicht. Aber den zweiten Schritt zu tun und zu sagen, ich will Teil deines Lebens werden, das braucht bei mir ein Weilchen.“

Wie bekommen Sie an dieser Stelle Sicherheit?
„Ich verlasse mich auf meine Menschenkenntnis, mein Bauchgefühl oder auf das Bauchgefühl meiner Familie. Mir hat bis jetzt noch nie ein Mann emotional den Boden unter den Füßen weggezogen.“

Was passiert, wenn Ihre Familie den neuen Freund nicht mag?
„Ach, das gibt es bei mir nicht. Und ich habe schon ein paar ziemlich schräge Vögel mit nach Hause gebracht. Meine Eltern waren zu allen sehr fair, sehr cool. Aber wenn es so käme, würde ich mit dem Mann sicher nicht auf Dauer warm. Ich kann emotional ganz schnell wieder abkühlen.“

Würden Sie einem Mann je Ihre finanzielle Sicherheit anvertrauen?
„Nein. Wir hätten, wenn überhaupt, nur ein Gemeinschaftskonto und da würde ich bestimmen, wie viel von meinem Geld drauf kommt.“

Keine Kommentare: