Dienstag, 21. April 2015

Lasst mal Männer Männer und Frauen Frauen sein (Die Welt)

Josefine Preuß zeigt sich auf Fotos von Ellen von Unwerth als Verführerin. Ein Klischee? Wir sollten weniger über Frauen-Bilder reden, meint die Schauspielerin – und mehr über Männer und Putzmittel.
Quelle: Die Welt

Hotel de Rome, Berlin. Josefine Preuß isst ein Eis am Stiel. Das passt ein bisschen zu perfekt, immerhin stand sie gerade für die Werbekampagne eines Eis-Herstellers vor der Kamera von Ellen von Unwerth. Die für ihre lasziven Aufnahmen bekannte Modefotografin hat die Schauspielerin in zwei weiblichen Facetten abgelichtet: als flirtendes Party-Girl in Pink und als coole Verführerin in Schwarz, passend zu zwei neuen Eissorten der Marke.
Preuß, die schon in der Serie "Türkisch für Anfänger", dem historischen Event-Film "Die Hebamme" und in der Hotel-Saga "Das Adlon" mitgespielt hat, nascht nicht aus PR-Gründen am Eis. Dafür isst sie viel zu viel davon, und hört auch nur deshalb damit auf, weil es ihr während des Gesprächs beinah vom Stiel schmilzt. Die 28-Jährige liebt nämlich nicht nur Eis, sie erzählt auch gern und viel. Von Frauen, die sich mal locker machen sollen. Von Männern, die ruhig wieder Mann sein dürfen. Und von ihren zwei großen Leidenschaften: Putzmittel und Handtaschen.

ICON: Guten Appetit! Möchten Sie erst einmal in Ruhe Ihr Eis aufessen?
Josefine Preuß: (Spricht mit vollem Mund) Nein, nein, ich bin multitaskingfähig.

ICON: Frauen können eben besser als Männer mehrere Aufgaben gleichzeitig bewältigen – heißt es jedenfalls. Glauben Sie, dass es typisch weibliche Eigenschaften gibt?
Preuß: Gehen wir doch mal von einem Klischee aus: die Sache mit den Schuhen. Ich kenne Männer, die haben richtige Sneaker-Sammlungen. Und ich als Frau hab' überhaupt keinen Schuh-Tick. Vielleicht, weil ich so kleine Füße habe. Ich trage Größe 33 / 34.

ICON: Wie viele Paar Schuhe besitzen Sie denn?
Preuß: Nicht viele. Neun, mit Flip Flops und Hausschuhen. (Flüstert) Aber ich hab sehr viele Handtaschen.

ICON: So viele, dass sie schon einen eigenen Raum dafür brauchen?
Preuß: Ich habe ein halbes Ankleidezimmer, in der anderen Hälfte des Raumes ist mein Büro. Dort hängen an der Wand Handtaschen, im Schrank sind einige, in der Kommode auch, ein paar liegen auf dem Stuhl und an der Garderobe im Flur hängen auch noch welche. Wie viele das sind, weiß ich gar nicht, aber ich liebe alle meine Kinder. Ich sehe das als Kapitalanlage.

ICON: An welchem Handtaschen-Trend kommen wir diesen Sommer nicht vorbei?
Preuß: An Beuteltaschen. Ich finde es toll, wenn man sich die quer umhängt, so hat man die Hände frei. Da können Fransen dran sein, da können Knöpfe dran sein... Ich glaube, ich muss los. Taschen schauen.

ICON: Wussten Sie, dass sich in Handtaschen mehr Bakterien als auf einem Toilettensitz tummeln sollen? Das hat die Studie eines Hygieneartikel-Herstellers ergeben.
Preuß: Nicht bei mir! Ich mache meine Taschen mit einem Desinfektionstuch sauber, da sind ja immer Krümel drin.

ICON: Auch das eine angeblich typisch weibliche Angewohnheit: die Lust am Putzen.
Preuß: Das ist ein Klischee, das wirklich auf mich zutrifft. Ich putze gerne, ich würde dafür nie jemanden kommen lassen. Was ich ganz schlimm finde: Du hast gerade die Armaturen im Bad gemacht und dann kommt einer, wäscht sich die Hände und schüttelt das Wasser ab. Da krieg' ich die Krise. Aber so wurde ich eben erzogen: Meine Mama ist auch sehr reinlich.

ICON: Chaos hat bei Ihnen also gar keine Chance?
Preuß: Ich bin Steinbock, ich brauche es aufgeräumt. Ich ertrage auch mal Chaos. Aber nach zehn Minuten muss das T-Shirt vom Boden aufgehoben werden. Putzen ist aber auch Ausgleich nach einem stressigen Tag für mich. Es gibt so viele tolle Sachen! Ich habe jetzt einen Staubwedel, der Duft verströmt. Als ich den entdeckt habe, bin ich total ausgerastet.

ICON: Scannen Sie das Putzmittelregal im Drogeriemarkt oft nach interessanten Neuheiten?
Preuß: Ja, da bin ich öfter als in der Kosmetikabteilung. Es gibt zum Beispiel auch großartige Weichspüler. Meiner duftet nach Magnolie. Ich seh' schon, das wird ein Putz-Interview – ich liebe das!

ICON: Putzen scheint ja regelrechtes Hobby von Ihnen zu sein. Wie viel Zeit verbringen Sie denn damit?
Preuß: Mein Bad staubsauge ich täglich. Ansonsten putze ich einmal die Woche richtig gründlich. Das kann schon den ganzen Tag dauern. Dann mache ich mir zwischendurch einen Kaffee und genieße auch mal fünf Minuten den Anblick eines Raumes, mit dem ich fertig bin. Ich habe ja keinen Zeitdruck. Als nächstes stehen bei mir der Frühjahrsputz und die Fenster an.

ICON: Das klingt ganz so, als strebten Sie in Sachen Sauberkeit nach Perfektion. Eine meiner Kolleginnen hat gerade dafür plädiert, dass Frauen sich ruhig trauen sollen, hier und da perfektionistisch zu sein – auch, wenn das gemeinhin als Schwäche ausgelegt wird.
Preuß: Ich finde: Kein Mensch ist perfekt. Ich hab Ecken, ich hab Kanten und das ist wunderbar, weil es mich menschlich macht. Ich sage lieber, dass ich ausgeglichen bin, aber auch Fehler habe. Mein größter ist sicher die Ungeduld. Wenn mich jemand privat warten lässt, werde ich irre.

ICON: Wollen Sie nicht einmal in Ihrem Beruf immer besser und besser werden?
Preuß: Was heißt besser werden? Ich entwickle mich, privat und beruflich. Das Gürkchen aus "Türkisch für Anfänger" mag ich zum Beispiel nicht mehr sein. Deshalb war es toll, dass ich in "Adlon" mitspielen konnte, das war mein Türöffner für erwachsene Rollen in anderen Genres.

ICON: Gibt es denn eine Frau, die Sie bewundern und unbedingt einmal verkörpern wollen – also ein weibliches Vorbild?
Preuß: Nein, eigentlich nicht. Das Wort "Vorbild" finde ich aber auch ganz schwierig. Das heißt ja, man will so sein wie jemand anderes. Ich finde es toll, wenn Menschen etwas Unglaubliches schaffen und nach ihrer Überzeugung leben. Aber das muss keine Frau sein, das kann auch ein Mann sein. Wir reden immer so viel über Frauen, Gleichberechtigung und Feminismus – jetzt wird's mal wieder Zeit, dass sich die Männer ein bisschen emanzipieren.

ICON: Sagen Sie "Nein, danke" zum Feminismus?
Preuß: Überhaupt nicht. Aber wir leben im 21. Jahrhundert, haben eine Bundeskanzlerin und eine Verteidigungsministerin. Mehr Feminismus geht in Deutschland nicht, jetzt sollten wir die Männer mal wieder ran lassen. Dieses ganze Metrosexuelle, das nervt. Lasst mal Männer Männer und Frauen Frauen sein. Mit allem, was dazugehört.

ICON: Finden Sie es peinlich, wenn Männer besonderen Wert auf Styling legen?
Preuß: Mir ist wichtig, dass ein Mann gepflegt wirkt. Was mich stört, sind rasierte Beine oder eine rasierte Brust. Ey, das ist das Zeichen, dass ihr Männer seid!

ICON: Auch die Fotos von Ellen von Unwerth spielen mit Mann-Frau-Klischees. Auf einem Bild tanzen Sie mit einem Staubwedel durch die Gegend.
Preuß: Ellen von Unwerth hätte auf jeden Fall auch einen Mann mit Staubwedel abgelichtet. Die Frau ist wirklich eine der besten Fotografinnen, die ich kenne. Und es geht in der Strecke nicht um Klischees, sondern darum, dass man in jeder Lebenslage Spaß haben kann.

ICON: Vieles locker sehen, Spaß haben – haben Sie noch mehr Tipps für Frauen?
Preuß: Liebt euch selber und strahlt das aus! Schenkt den Menschen öfter mal ein Lächeln! Und gerade im Sommer: Scheißt auf Kalorien! Geht raus und genießt die Sonne.

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