Dienstag, 25. August 2015

Ich kann echt fies sein (stimme.de)

Interview mit Josefine Preuß von Stimme.de

Ein Gespräch mit Preuß über deren überraschend starke Abneigung gegenüber jeder Art von Chaos, über ihre Sturheit, Strenge, Unbelehrbarkeit und die Ablehnung einer Vorbildfunktion.
Von Erik Brandt-Höge

Josefine Preuß hat den Sprung vom "Türkisch für Anfänger"-Teenie-Star ins TV-Hauptprogramm längst geschafft. Ob in "Das Adlon. Eine Familiensaga", "Die Pilgerin" oder "Die Hebamme" - die 29-Jährige stellte ihr Potenzial für die ganz großen Produktionen bereits mehrfach unter Beweis. Auch die ZDF-Reihen-Hauptrolle der chaotischen "Lotta", einer jungen, herzlichen Mutter, ist mit Josefine Preuß passend besetzt. In der neuen Folge "Lotta & Das ewige Warum" (Donnerstag, 3. September, 20.15 Uhr, ZDF) wird Lottas Leben besonders durcheinandergewirbelt: Sie steht kurz vor dem Physikum, ihre Tochter braucht Zuwendung, und sie zieht auf Probe mit ihrem Freund zusammen.

teleschau: Frau Preuß, auf einer Skala von eins bis zehn: Für wie multitaskingfähig halten Sie sich?
Josefine Preuß: Ich gebe mir auf jeden Fall eine neun - und zwar eine gute!

teleschau: Wann haben Sie zuletzt zwei oder mehr Dinge gleichzeitig erledigt?
Preuß: Heute Morgen zum Beispiel. Alles lief sehr nach Plan und strukturiert ab - und da mussten dann auch ein paar Sachen gleichzeitig geschafft werden. Während ich zum Beispiel nach dem Aufstehen meinen Cranberry-Saft gemacht habe, habe ich schon Wasser aufgesetzt für einen Tee, damit der nach dem Duschen fertig ist. Trinken dann beim Anziehen. Alles war auf die Minute getimt. Sonst hätte ich meinen Zug verpasst.

teleschau: Ist das immer so bei Ihnen? Alles läuft nach Plan?
Preuß: Ja, ich muss sagen: Mein Leben ist schon sehr geordnet. Ich würde mich auch nicht wohlfühlen, wenn es anders wäre.

teleschau: Erlauben Sie sich auch mal ein kleines bisschen Strukturausbruch? Ein wenig Chaos?
Preuß: Doch - zwei Minuten am Tag (lacht). Mehr Chaos würde ich mir nicht erlauben.

teleschau: Erlauben Sie denn den Menschen in Ihrem Umfeld, chaotisch zu sein?
Preuß: Kommt drauf an. Ich kann es zum Beispiel überhaupt nicht leiden, wenn jemand irgendwo irgendetwas unnötig herumliegen lässt. Oder noch schlimmer: Unpünktlichkeit! Ich hasse Unpünktlichkeit.

teleschau: Woher kommt diese Strenge?
Preuß: Die wurde mir vorgelebt, es ist eine familiäre Prägung. Ich erwarte deshalb wahrscheinlich nicht nur bestimmte Dinge von mir selbst, sondern eben auch von anderen.

teleschau: Beruhigen Sie uns bitte: Irgendetwas muss es geben, was auch Sie nicht so perfekt hinkriegen - oder?
Preuß: Na klar, da gibt es viele Dinge. Ich bin zum Beispiel extrem ungeduldig. Und ich bin ein ziemlicher Dickkopf. Ich poche immer sehr auf mein Recht.

teleschau: Auch wenn Sie wissen, dass Sie nicht Recht haben?
Preuß: Auf jeden Fall (lacht). Die Menschen in meinem Umfeld wissen das zum Glück und können darüber lachen.

teleschau: Haben Sie ein Beispiel?
Preuß: Ich will es mal so erklären: Nehmen wir an, ich säße bei "Wer wird Millionär?" auf dem Ratestuhl und hätte gerade eine Antwort eingeloggt. Die ist dann aber falsch, angeblich, und eine andere Antwort ist schon grün unterlegt und wird damit als angeblich richtig angezeigt. Das würde ich nicht akzeptieren.

teleschau: Sie müssten den Ratestuhl aber verlassen!
Preuß: Das würde ich nicht machen (lacht).

teleschau: Sondern?
Preuß: Ich würde auf jeden Fall darauf beharren, dass nur meine Antwort die richtige ist. Ich bin wirklich extrem rechthaberisch und stur. Und schwer belehrbar!

teleschau: Sonst noch negative Eigenschaften?
Preuß: Ich kann echt fies sein (lacht).

teleschau: Inwiefern?
Preuß: Wenn ich jemanden nicht mag, passiert es schon mal, dass ich ihm gegenüber ganz ruhig werde und ihn einfach ignoriere. Quasi als stille Abstrafung. Und wenn es zu Konfliktsituationen kommt und die Emotionen hochkochen, bin ich nie diejenige, die auf den anderen zugehen würde, um sich zu vertragen. Ich warte immer erst mal ab, bis derjenige zu mir kommt und denke mir: Das wird sich schon klären, irgendwann kommt er schon zur Besinnung (lacht).

teleschau: Geht die Schlechte-Eigenschaften-Liste noch weiter?
Preuß: Ich rauche. (überlegt) Ich habe wirklich viele negative Eigenschaften ...

teleschau: Die Sie überraschend ehrlich beschreiben!
Preuß: Ja, und das ist wiederum eine positive Eigenschaft von mir: Ich sehe die Dinge durchaus klar und bin sehr selbstreflektiert. Und: Der Mensch, über den ich nach wie vor am meisten lachen kann, bin ich selbst.

teleschau: Bei all dem, was wir über Ihren Charakter nun wissen: Ist es sehr schlimm für sie, in die Rolle der chaotischen Lotta zu schlüpfen und ihr unstrukturiertes Leben zu leben?
Preuß: Erst mal muss ich ganz klar sagen: Ich liebe Lotta! Ich finde, sie ist eine extrem tolle Persönlichkeit, ich mag sie wirklich sehr. Aber sie zu spielen, ist tatsächlich manchmal etwas anstrengend (lacht). Weil sie so viel auf einmal schaffen muss, ist sie ständig auf Trab, alles muss immer sehr schnell gehen, Lotta läuft eigentlich mehr durch ihren Alltag, als dass sie geht.

teleschau: Die Multitaskingfähigkeit haben Sie immerhin gemeinsam.
Preuß: Stimmt - aber ich mache ein anderes Multitasking als Lotta, Gott sei Dank! Ich nehme mir im Vorfeld viel mehr Zeit für bestimmte Dinge als sie, plane einfach mehr und komme deshalb insgesamt auch entspannter durch den Tag.

teleschau: Bleibt also noch der Dickkopf, der sie beide verbindet.
Preuß: (lacht) Ja, irgendwie schon. Ach, aber Gegensätze ziehen sich ja auch an. Ich könnte mir gut vorstellen, mit jemandem wie Lotta im wahren Leben befreundet zu sein.

teleschau: Was Lotta außerdem besitzt, ist eine starke Angst vor festen Bindungen. Kennen Sie so was auch?
Preuß: Das ist auch ein großer Unterschied zwischen Lotta und mir. Lotta stürzt sich Hals über Kopf in Beziehungen, ich wiederum lasse mir mehr Zeit, mein Gegenüber besser kennenzulernen, um dann eine gefestigte Beziehung einzugehen.

teleschau: Lotta löst den inneren Konflikt, in dem sie mit ihrem Freund probeweise zusammenzieht.
Preuß: Was ich persönlich niemals tun würde! Das ist einfach typisch Lotta - und totaler Quatsch (lacht).

teleschau: An sich hat Lotta aber schon auch ein Stückweit Vorbildpotenzial für andere junge Frauen.
Preuß: Ja, weil sie beweist, dass man auch als junge Mutter eine Karriere haben kann. Lotta steht in ihrem Medizinstudium kurz vor ihrem Physikum, ist extrem fleißig und schafft es trotz allem Stress und dem zusätzlichen Chaos in ihrem Liebesleben, ihr Kind gut zu versorgen.

teleschau: Taugen Sie in Ihren Augen auch als Vorbild?
Preuß: Nein, ich will auch gar keins sein. Wobei: Es gibt Situationen, in denen ich mich schon auch wie ein Vorbild verhalte.

teleschau: In welchen Situationen?
Preuß: Mein Laster, das Rauchen, habe ich ja schon angesprochen. Heute Morgen, an der S-Bahn-Haltestelle, habe ich mir gerade eine Zigarette angesteckt, da kam so ein etwa 13-jähriger Junge auf mich zu und meinte: "Ey, haste mal 'ne Kippe?

teleschau: Was haben Sie geantwortet?
Preuß: Ich habe gesagt: "Ey' geht schon mal gar nicht - und eine Zigarette erst recht nicht!" Später dachte ich dann: Sehr gut, alles richtig gemacht!

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