Donnerstag, 3. März 2016

Nur bei Oliver Berben sage ich blind zu (Quotenmeter)

Interview mit Josefine Preuß von Quotenmeter

Josefine Preuß: 'Nur bei Oliver Berben sage ich blind zu'
Schauspielerin und Synchronsprecherin Josefine Preuß spricht über ihre Rolle in «Zoomania», den Luxus, sich seine Projekte auszusuchen, die Aussichten auf mehr «Türkisch für Anfänger» und darüber, wie sie auf Fehlmeldungen reagiert.

Zur Person: Josefine Preuß
Die am 13. Januar 1986 in Zehdenick geborene Schauspielerin wurde einem größeren Publikum bekannt, als sie eine der Hauptrollen in der Kinderserie «Schloss Einstein» übernommen hat. Ab 2005 begeisterte sie Kritiker und Zuschauer gleichermaßen mit ihrer Rolle in der ARD-Multikultiserie «Türkisch für Anfänger», die 2012 als Kinofilm neu erzählt wurde. Mit «Das Adlon. Eine Familiensaga», «Die Pilgerin» und «Die Hebamme» bewies sich Preuß zuletzt mehrmals im Historiengenre, zudem war sie im Kino in den Fantasyfilmen «Rubinrot» und «Saphirblau» zu sehen. In «Zoomania» spricht Preuß ihre dritte Synchronrolle: Sie ist als die optimistische Häsin Judy Hopps zu hören, die als erstes Kleintier in der titelgebenden Großstadt einen Polizeijob übernimmt.

Ist es für Sie eine Ehre, eine Trickfilm-Hauptrolle synchronisieren zu dürfen?

Ja, auf jeden Fall. Ich durfte ja schon ein paar Mal synchronisieren, und das ist eine Arbeit, die mir Riesenspaß macht! Man arbeitet ja nicht nur mit der Stimme, es ist tatsächlich auch eine sehr körperliche Arbeit, und nach so einem Tag im Tonstudio merkt man schon, was man alles geleistet hat. Man muss ja alles machen, was die Figur, die man spricht, auch macht. Und bei der Häsin Judy Hopps ist das richtig viel: Sprechen, lachen, weinen, hüpfen, springen, verfolgen, verfolgt werden, rennen, über Kopf stehen … Da nutzt man an einem Tag die Stimme so viel, wenn ich Zuhause bin, heißt es: Klappe zu, Affe tot. Man sollte im Tonstudio mal eine Kamera mitlaufen lassen – da siehst du Leute bei den unmöglichsten Sachen.

Wie sieht bei Ihnen die Vorbereitung auf eine Synchronrolle aus?
Die Vorbereitung besteht weniger daraus, sich vorher groß in die Rolle hineinzuversetzen, sondern in den zwei Wochen vor den Aufnahmeterminen penibel darauf zu achten, dass die Stimme in Ordnung bleibt. Dann guckt man sich den Originalfilm an, und generell hält man sich genau an die Vorgaben des Originals. Ginnifer Goodwin, die Judy Hoops im Englischen spricht, hat das so fantastisch gemacht, mit diesen sehr genauen, kleinen Brüchen: Wann ist sie die private Judy, die mit ihren Eltern spricht, und wann ist sie die knallharte Polizistin und macht Ansagen … Das war eine ganz, ganz tolle Rolle! Endlich darf ich mal eine Polizistin sein!

Wie lange hat es insgesamt gedauert, die komplette Rolle einzusprechen?
Ich wurde für eine Woche gebucht, habe aber nur dreieinhalb Tage gebraucht. Man hat da aber auch immer etwas Reserve, wenn man etwa noch einen Trailer zum Film einspricht oder eine Textstelle geändert wird. Und ich bin dadurch, dass ich schonmal synchronisiert habe, sehr in den Abläufen drin. Ich weiß schon, wann ich den Knopf für den O-Ton drücke, wann Stopp ist, wann die Aufnahme los geht … Da entwickelt man ein Gespür für. Und die Rolle liegt mir: Ich bin wie sie klein, aber ein bisschen hyperaktiv. Da ist Judy schon die richtige Figur für mich – ein Faultier wäre für mich dagegen die größte Herausforderung gewesen. Wobei man ja noch sagen muss: Die Sprecher im Original hatten es viel schwieriger, weil sie erst sprechen, und es dann erst animiert wird! Wir konnten uns ja die fertigen Bewegungen und Emotionen anschauen, um darauf dann zu sprechen. Das ist ja viel leichter!

Was hat Sie an der Rolle der Judy gereizt?
Judy ist ein sehr zielstrebiger Charakter. Sie lebt ihren Traum und setzt alles daran, sich zu verwirklichen, selbst wenn sie da erstmal einen Rückdämpfer gesetzt bekommt. Sie ist auch sehr pflichtbewusst. Wenn Chief Bogo sie dazu verdonnert, 100 Strafzettel zu schreiben, dann sagt sie: „Okay, ich schreibe 200!“ Und ich glaube, dass sie sich auch dadurch definiert, pflichtbewusst und loyal zu sein. Ich mag das. Ich finde, sie könnte auch ein richtig gutes Vorbild für kleine Mädchen werden, die ja oft nicht so sehr an sich selber glauben.

Haben Sie schon einmal eine Synchronrolle abgelehnt?
Synchron habe ich noch nie abgelehnt, da mache ich alles, wozu ich angefragt werde. Aber reale Rollen habe ich schon öfters abgelehnt. Ich weiß, dass ich da in einer privilegierten Situation bin, wenn ich Angebote ablehnen kann, weil genug gute Rollen für mich da sind. Aber es kommen nun einmal nicht jeden Tag Bombendrehbücher rein, und so lange ich aussieben kann, mache ich das auch. Nur bei Oliver Berben sage ich blind zu, da weiß ich, dass es groß und spannend und fett wird!

Würden Sie denn gern noch häufiger als Synchronsprecherin tätig sein?
Ja, auf jeden Fall! Das ist so eine tolle Tätigkeit. Und es ist nicht so oberflächlich wie vor der Kamera: Du kannst dahin, und dabei aussehen wie du willst, und es ist nicht so, dass du deine Hülle nimmst und mit einem anderen Charakter füllst, sondern genau umgekehrt. Du füllst ganz allein eine Häsin mit deiner Stimme und erweckst sie so zum Leben. Und es wäre auch nicht ganz uneigennützig, sollte ich noch öfter synchronsprechen. Ich kann dann eines Tages, wenn ich keine Lust habe, abends meinen Kindern eine Gutenachtgeschichte vorzulesen, immer eine neue DVD einlegen: „Hier, hör dir die Mama da an!“ (lacht)

Sind Sie auch als Zuschauerin synchronisierten Filmen gegenüber aufgeschlossen?
Ich bin da geteilter Meinung. Ich schaue mir viel im Original an, gerade weil bei der Übertragung vom Englischen ins Deutsche leider viel Wortwitz verloren geht. Andererseits sind wir in Deutschland bei der Synchronarbeit in qualitativer und künstlerischer Sicht anderen Märkten voraus. In Osteuropa gibt es noch immer Länder, wo ein Mann pro Film alle Rollen spricht und stellenweise noch die Regieanweisungen mitliest. (lacht) Wir haben dagegen gute Macher, die das hochprofessionell wuppen. Und ich möchte mit meinen Synchronrollen auch niemandem die Jobs wegnehmen! Ich mache ja nur alle paar Jahre einen Film, nicht aber eine Serie. Ich hätte zu viel Respekt vor den tollen Stimmen, die das regelmäßig machen. Und teilweise machen die es dann sogar besser als das Original, muss ich ganz ehrlich sagen.

Eine dieser Stimmen hat dieses Mal ja auch Synchronregie geführt …
Ja, der wunderbare Manuel Straube. Er ist Volllprofi und macht das seid Kindsbeinen an. Es ist so super, ihm zuzuhören, weil er so viele Anekdoten zu erzählen hat. Er spricht ja einfach alles! (lacht) Er hat schon so viel für Disney gesprochen und ist bei «Zoomania» auch der Synchronregisseur, und daher war er auch so aufgeregt! Und dennoch total professionell, er war nicht streng, sondern ist auf einen eingegangen und hat auf jeden Vorschlag reagiert und mit aller Kraft geholfen und einen jederzeit unterstützt. Ich konnte mich da total fallen lassen.

Gucken Sie sich auch die Filme an, die Sie selber synchronisiert haben?
Ja. Das war anfangs befremdlich, aber ich habe mich dran gewöhnt. Und gerade, weil ich bisher nur animierte Familienfilme gesprochen habe, habe ich mir immer vorgenommen: Ich warte, bis er schon eine Woche gelaufen ist, nehme mir ein paar Freunde, und gehe dann gerne in eine Nachmittagsvorführung, die voll mit Kiddies ist. Denn Kinder sind ja das ehrlichste und dankbarste Publikum, das man sich vorstellen kann. Da achte ich auch immer darauf, an welchen Stellen die lachen, und an welchen Stellen wir Erwachsenen mehr Spaß haben. Das ist ja oft sehr unterschiedlich. Und das Schöne ist ja: Kinder vergessen sogar, dass es animiert ist. (lächelt)

Wie stehen Sie zu jenen, die Disney kritisieren, weil deren Filme Kinder nur amerikanisieren würden?
Die Kritik konnte ich noch nie teilen. Disney finde ich seit jeher ganz toll. Gerade deren Riege an vermenschlichten Tierfiguren ist wundervoll! Das macht keiner so gut wie Disney! Ich bin mit «Der König der Löwen» aufgewachsen, und als Kind wollte ich unbedingt Arielle sein und «Die Eiskönigin – Völlig unverfroren» habe ich so sehr geliebt! Auch, weil es wieder ein Musical war und einen in eine andere Welt entführt! Ich habe den ja an Neujahr mit zwei Jungs gesehen – man sollte denken, ganz unytpisch, aber der ist, wie es sich für Disney gehört, so gut gemacht, dass es wirklich für jeden geeignet ist. Und Disney-Filme sind, finde ich, für Kinder wertvoll, weil sie so gut die Botschaft vermitteln: Leute, seid tolerant. «Zoomania» jetzt ja auch wieder: Er sagt, dass es völlig egal ist, wo einer herkommt, ob er groß, klein, dick, dünn, rund, eckig oder sonst etwas ist – wenn wir über die Hülle hinwegsehen und wir uns bemühen, den Charakter dahinter zu verstehen, dann könnten wir alle friedlicher leben. Gerade in der heutigen Zeit, wo wir alle so klischeegeprägt sind, ist das eine richtig wichtige Botschaft. Vor allem deshalb für Kinder, weil die noch formbar sind. Bei ihnen besteht die Hoffnung, dass wir sie zu einer Generation erziehen können, die es besser macht.

Was sagen Sie als Trickfilm-Fan zur ewigen Debatte „Zeichentrickfilm gegen Computeranimationsfilm“?
Ich würde nicht „gegen“ sagen, sondern einfach darüber staunen, wie weit wir technisch mittlerweile sind. Allein bei «Zoomania» diese kleinen Details, wie sich Judys Näschen bewegt, wenn sie wütend ist, oder wann ihre Ohren wie abknicken, und all diese Feinheiten im Fell der ganze Figuren! Ich finde das wahnsinnig beeindruckend. Oder, um von Disney kurz wegzukommen, «Die Abenteuer von Tim und Struppi»: Diese feinen Poren in der Haut und diese realistische Umgebung, durch die die Kamera schwebt. Also, ich habe da teilweise vergessen, dass es animiert ist! Und das geht ja so nur mit Computeranimation, wobei der Zeichentrick ja auch wunderschön ist. Ich finde, die Mischung macht’s, es ist gut, dass es beides gibt.

Besteht weiterhin die Möglichkeit für mehr «Türkisch für Anfänger»?
Davon war zwar mal die Rede, konkrete Ideen gibt es aber nicht. Und ich finde, dass für eine Fortsetzung inzwischen zu viel Zeit vergangen ist. Die Macher haben zudem ja jetzt mit ihrer Erfolgswelle von «Fack Ju Göhte» genug zu tun. Worüber wir aber rumgescherzt haben: Es noch ein paar Jahre ruhen lassen und dann so etwas wie «Gilmore Girls» machen, also nach vielen Jahren wieder einsteigen und zu fragen, was mit den Figuren alles passiert ist. Jetzt eine Fortsetzung zu machen, wäre ja ohne Anknüpfungspunkt.

Sollte sich die deutschen Film- und Fernsehmacher stärker dem Internet und den VoD-Plattformen öffnen?
Das müssen sie! Die sind viel zu spät dran. In meiner Generation gucken wir kein Fernsehen mehr. Ich schau ab und zu abends die «Tagesschau», wenn ich da bin. Und die kann man ja auch über diverse Portale nachholen. Die Produktionsfirmen und Sender müssen da endlich aufwachen. Ich glaube, das wird für uns alle noch ein richtig wichtiges Ding, auch in meiner Branche. Irgendwann werden wir alle auch schonmal für einen Webanbieter gespielt haben, statt nur für Sender. Ich finde das sehr aufregend, gerade, weil es auch eine neue Reichweite bedeutet – insbesondere in meiner Generation und der danach.

Sind diese Vertriebswege in Ihren Augen auch eine Gefahr für den Kulturstandort Kino?
Nein. Ich denke, das ist Typen- und Erziehungssache. Vielleicht müssen wir wieder dafür sorgen, dass mehr Leute das Bewusstsein dafür haben, zu wissen, dass bestimmte Filme einfach fürs Kino gemacht sind. Ich schaue viel bei Netflix, aber ich schaue mir «The Revenant» nicht auf einem 14-Zoll-Bildschirm an. Ich finde, der Film muss wirken, also schaue ich den im Kino. Aber ich bin auch Cineast! Und für diese Entscheidungen müssen wir den Verstand der Zuschauer wieder schärfen!

Wie kann man die Kinofaulen denn entsprechend erziehen?
Das Kino muss wieder als ein richtiges Erlebnis wahrgenommen werden. Nicht nur der Film, sondern der Kinobesuch an sich: Dass man sich den ganzen Abend Zeit nimmt, chic anzieht, mit Freunden vorher Essen oder Trinken geht … Es muss wieder ein Ereignis sein. Und es kann nicht schaden, es den Kinogängern wieder schmackhaft zu machen. Und sie noch einmal daran zu erinnern, dass das Gemeinschaftserlebnis dazugehört. Alleine vor dem Monitor kann ich alles zu jederzeit schauen. Aber mit Fremden und Freunden mitfiebern und lachen, das geht nur für begrenzte Zeit im Kino.

Wie stehen Sie zum Promirummel, den es um sie gibt? Wäre es Ihnen lieber, wenn Leute nur über Ihre Arbeit sprechen würden, oder gehört es dazu, das Privatleben zu teilen?
Ich weiß, dass das eine Hand-in-Hand-Geschichte ist, aber ich entscheide selber, was ich preisgebe und was nicht. Man kann im Internet vieles Privates über mich entdecken, teilweise sage ich jetzt, dass es zu viel ist, doch das ist meine eigene Schuld, weil ich das alles Mal erzählt habe. Dass die Medien einem teilweise was andichten, entgegne ich immer mit Ausharren. Man würde ein viel größeres Fass aufmachen, wenn man da anruft und sagt: Revidiert das! So gerät das viel schneller in Vergessenheit. Meine Oma sagt immer: In der Zeitung von heute wird morgen toter Fisch eingewickelt. Dazu versuche ich, das alles nicht so bierernst zu nehmen und mich selber nicht so wichtig zu nehmen. Das ist mit der deutschen Yellow Press nicht immer so einfach, aber so lange mein enger Freundeskreis und meine Familie wissen, was wahr ist und was nicht, stehe ich das schon durch. Mir wurde jahrelang eine Liebesbeziehung mit meinem besten Freund nachgesagt, und als es dann in der Presse hieß: „Mama Preuß sucht schon das Kleid für die Hochzeit“, hat sie angerufen: „Josefine, soll ich! Soll ich! Ich hab mal ein schönes gesehen!“ (lacht) Wir nehmen sowas, so gut es geht, mit Humor. Das sind eh alles Lückenfüller, und schon am nächsten Tag wird die Lücke mit anderen Gerüchten über jemand Anderen gefüllt.

Vielen Dank für das spannende Gespräch.
«Zoomania» ist ab sofort in vielen deutschen Kinos zu sehen – in 2D und 3D.

Keine Kommentare: