Samstag, 5. März 2016

Süße Tiere kann ich so gar nicht essen (B.Z.)

Interview B.Z.

Im Interview wirkt Josefine Preuß (30) wie eine kleine, kesse Maus, die man einfach lieb haben muss. Aber halt, in Disneys neuem Wunderwerk „Zoomania“ spricht sie ja die Häsin Judy Hopps, die aber ebenso klein, kess und zum Liebhaben ist. Für die gebürtige Brandenburgerin aus Zehdenick, die in Potsdam aufwuchs und heute in Berlin lebt, war es nicht das erste Mal im Synchronstudio. Bereits in „Hotel Transsilvanien“ sprach sie ein Vampir-Mädchen. Mit ihrem süßen Ausssehen kann sich Josefine Preuß aber auch vor der Kamera sehen lassen und verdrehte schon Elyas M’Barek in „Türkisch für Anfänger“ und Matthias Schweighöfer in „Rubbeldiekatz“ die Köpfe. Markus Tschiedert behielt beim Gespräch einen kühlen Kopf.

Welche Frage stellt man einer Schauspielerin, die eine Häsin spricht? Wie viel Hase in ihr steckt oder ob zukünftig kein Hasenbraten mehr auf den Tisch kommt?
Nein, Hasenbraten habe ich noch nie gegessen! Meine Großeltern hatten einen Bauernhof mit Kaninchen und immer wenn ein Wurf kam, durften sich die Kinder der Familie eines der Nachkömmlinge als Paten aussuchen. Da wurde auch versprochen, dass der nicht auf den Tisch kommt – weder zu Weihnachten, noch zu sonstigen Anlässen. Ich esse schon mal ein Steak, aber süße Tiere kann ich so gar nicht essen. Das muss man auch nicht.

Dann schon lieber einen Schlappohr sprechen wie jetzt in „Zoomania“. Haben Sie gleich ja geschrien als von Disney das Angebot kam?
Natürlich! Es ist auch nicht das erste Mal, dass ich im Synchronstudio war und ich habe dabei tierisch viel Spaß. Man setzt nicht nur seine Stimme ein, sondern es ist auch körperliche Arbeit. Ich hüpfte und hechelte mit Häsin Judy Hopps richtig mit und spürte abends, was ich da den ganzen Tag gemacht habe.

Hinzu kommt, dass Judy Hopps teilweise auch noch schnell spricht…
Genauso wie ich! Das war schon immer so, auch ich springe schnell durchs Leben. Ich bin zwar klein, aber hyperaktiv. Daher wäre ein Faultier zu sprechen auch die größere Herausforderung für mich gewesen. Ich bin froh, dass ich Judy sprechen durfte. Ich musste halt viele Wörter in wenig Zeit unterbringen. Außerdem gefiel mir der Beruf von Judy – endlich mal eine Polizistin!

Warum endlich mal eine Polizistin?
Mein Papa ist Polizist, und ich glaube, der freut sich jetzt mal. Jetzt habe ich ihm eine Judy als kleinen Pappaufsteller für sein Büro besorgt. Seine Tochter: Judy Hopps (lacht)!

Hatten Sie je den Berufswunsch, Polizistin zu werden?
Ja, aber bei 1,55 Meter brauche ich mich gar nicht erst zu melden. Es gibt gewisse Voraussetzungen. Meine Schwester hatte sich aber mal beworben, ist aber durch den Sporttest gefallen. Die sind da schon sehr rigoros. Was mich manchmal selbst wundert, wenn man etwas beleibte Polizisten sieht und sich denkt, wenn ich vor dir weglaufe, kriegst du mich nicht eingefangen.

Wie man sieht, haben Sie sich auf Ihrem Unterarm das englische Wort Faith (Glauben) tätowieren lassen. Was bedeutet Ihnen das?
Eine Jugendsünde, aber bereue ich nicht. Das kann ich leicht bedecken mit langärmligen Klamotten oder einer Armbanduhr. Es bedeutet für mich Vertrauen und Glauben – an dich selber und an die Menschen, die dich unterstützen. Wenn man an sich glaubt, geht alles. Das ist doch auch die Botschaft von „Zoomania“, denn obwohl Judy verlacht, dass sie als kleiner Hase zur Polizei will schafft sie es. Ich mag diese Message – gerade in der Vermenschlichung der Tiere. Keiner macht das so gut wie Disney.

Das ist doch eine wichtige Aussage und heutzutage doch keine Jugendsünde mehr…
Das Stechen und der Prozess dorthin war aber eine Jugendsünde. Ich hatte es mir mit 18 stechen lassen und seit ich 13 war, wollte ich ein Tattoo. Man könnte es sich auch wieder wegmachen lassen, aber das fände ich Quatsch. Ich lasse mir doch kein Tattoo stechen, um es dann Jahre später wieder wegmachen zu lassen.

Dann könnten Sie sich doch noch weitere Tattoos anschaffen…
Würde ich gern, aber in meinem Beruf muss man leider sehr aufpassen. Welche Stellen am Körper lassen sich leicht verstecken um auch historische Figuren spielen zu können. Eigentlich müssen Darsteller eine komplett leere Leinwand sein, aber andererseits will ich mich in meinem Privatleben nicht einschränken lassen. Mein Vater ist auch von oben bis unten tätowiert und generell mag ich Körperschmuck, wenn er schön ist. Rosen und springende Delfine müssen es allerdings nicht sein und das Arschgeweih ist seit den Neunzigern auch vorbei. Na ja, mal sehen, es wird nicht mein letztes Tattoo sein.

Wo Sie doch ein Langohr sprechen… heute sind eher riesige Ohrenlöcher angesagt. Was halten Sie davon?
Diese Tunnels? O nein, das muss nicht sein! Da will ich immer sagen, Leute ihr wisst doch, dass das nicht mehr zusammenwächst. Meine Mutter hat mir mit knapp einem Jahr Ohrlöcher stechen lassen. Hätte ich damals schon sprechen können und eine Meinung gehabt, wäre es für mich nicht in Frage gekommen. Ich mag keine Ohrlöcher und trage höchstens mal für eine Rolle Ohrringe. Und wenn, gibt doch Ohrclips, also muss man sich doch nicht verletzen lassen.

Viele finden Ohrtunnels schön…
Es wächst aber nie wieder zu! Ich habe mal jemanden gesehen, der sich sein Ohrläppchen wieder zusammenähen ließ. Das sah aber nicht gut aus. Du hast dann einfach ein entstelltes Ohr, dabei gucke ich mir immer gern die Ohren von Menschen an. Ich finde es witzig, was für unterschiedliche Ohren wir haben.

Sie wirken sehr lebenslustig und Ihre gute Laune ist wirklich ansteckend. Ist Ihnen da der Beruf der Schauspielerin nicht manchmal zu wenig?
Ich bin einfach nur dankbar, für das was ich alles machen darf. Es fing schon früh an als ich eine Büchersendung für Kinder moderieren durfte, dann kamen die Hörbücher dazu. Meine Prämisse war immer zu unterhalten. Das kannst du sowohl mit deinem Gesicht und deinem Körper vor der Kamera als auch mit deiner Stimme im Studio. Ich freue mich, dass ich überhaupt die Möglichkeit hatte, meine Fühler auszustrecken, um alles auszuprobieren. Danke!

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