Montag, 16. Januar 2017

Südkurier: "Kostümfilme sind ein Abenteuer-Spielplatz"

Josefine Preuß ist am 16. und 18. Januar 2017 im ZDF-Zweiteiler „Das Sacher“ zu sehen. Für ihre
Rolle hat sich die 31-Jährige extra einen österreichischen Akzent antrainiert, erzählt sie im Interview mit dem SÜDKURIER – und verrät, dass sie sich jetzt gern eine kleine Auszeit vom Drehen nehmen möchte.

Frau Preuß, Sie sagen, Sacher sei mehr als nur eine Torte. Wie vertraut waren Sie denn vor dem Dreh mit dem Namen?
Ich kannte das Hotel, ich war da schon mal privat. Aber natürlich verbindet man den Namen mit der Sacher-Torte, mir war allerdings die Geschichte dahinter gar nicht bewusst. Das fing dann erst mit der Recherche an. Und das ist das Schöne bei dem Film, dass wir nicht mit der Eröffnung des Hotels anfangen, sondern mit dem Zeitpunkt, als Eduard Sacher stirbt und seine Frau das Haus übernimmt. Anna Sacher war die erste Frau in Europa, die ein Grand Hotel geführt hat, die kämpfen musste, damit sie die kaiserliche und königliche Konzession überhaupt noch bekommt. Und sie hat ihren Angestellten eine Krankenversicherung beschafft – so etwas erfährt man oft erst, wenn man sich auf ein Projekt vorbereitet.

Sind Sie jemand, der es im Urlaub gern ein bisschen luxuriös hat oder übernachten Sie auch mal in einem Hostel?
Das ist ganz unterschiedlich. Klar, ich war schon auf den Malediven und da musste es ein Top-Hotel sein – ich glaube, da gibt es nur Top-Hotels, mit Sandstrand und eigenem Pool. Aber ich bin auch in Ländern unterwegs, wo es erstens gar nicht so tolle Luxus-Hotels gibt, und wo es zweitens auch irgendwie fehl am Platz wäre, als reicher europäischer Tourist in einer Nobelherberge abzusteigen. Kuba zum Beispiel. Die Leute dort haben wenig zu essen, da finde ich es irgendwie geschmacklos, sich in ein All-inclusive-Hotel einzubuchen und sich am Büffet die Teller vollzumachen. Da mache ich lieber Bed & Breakfast bei Familien. So lernt man auch das Land am besten kennen.

Der Film ist ein bisschen Krimi, er ist natürlich ein Gesellschaftsdrama, aber eben auch ein
Kostümfilm. Machen Ihnen solche historischen Rollen besonders Spaß?

Das ist ein Riesen-Abenteuerspielplatz! Kleider machen ja Leute, und gerade ein Korsett zu tragen, so eingeschnürt zu sein, das ist natürlich nicht angenehm – aber das muss sein für so eine Rolle. Gerade für Konstanze, die ja in einer Art Zwangsehe lebt, kann man das nutzen. Mit Korsett sitzt man anders, man geht anders, man hat eine ganz andere Haltung – das macht schon etwas aus. Die Kostüme helfen sehr dabei, sich die Rolle zu erarbeiten.

Ihre Figur, Konstanze, fängt an zu schreiben, um hin und wieder aus ihrem Leben auszubrechen. Was sind denn für Sie Fluchtmöglichkeiten aus dem Alltag?
Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Es kann sein, dass ich mich am Wochenende zu Hause einschließe, auf der Couch lümmle, eine Serie nach der anderen gucke und Pizza bestelle. Aber meine Flucht sind auch Freunde und Familie. Gerade wenn man viel unterwegs ist, und ich war vergangenes Jahr wirklich lange Zeit gar nicht in Berlin, wähle ich die Flucht nach vorn und will Freunde und Familie wieder sehen, damit man sich wieder aneinander gewöhnen kann.

Im Film haben Sie einen leichten österreichischen Akzent. Mussten Sie dafür lange üben?
Am Anfang an wurde es mir freigestellt, aber der Regisseur hat es sich schon gewünscht, und wir haben gesagt: Wir probieren das aus. Wenn ich mich zu sehr auf die Sprache konzentriere, beeinflusst das das Spiel. Ich habe einen ganz fantastischen Sprach-Coach bekommen, wir haben einen Monat vor dem Dreh angefangen, so ein bisschen an dem Österreichischen zu arbeiten, eine kleine Färbung reinzubringen. Die Vokale sehr lang und tief sprechen und a bissel den Wiener Schmäh reinbringen. Wenn man das raus hört – wunderbar, ein Riesenkompliment, danke! Wir Brandenburger haben einen deftigeren Dialekt als die Berliner …

Wenn Sie so eine Rolle wie die der Konstanze bekommen, wie bereiten Sie sich dann vor?

Viel, viel Vorbereitung besteht aus Lesen. Ich habe unglaublich viel gelesen, einfach um ein Gefühl für diese Zeit zu bekommen. Das hat mir sehr geholfen. Die Zeit, in der unser Film spielt, ist 100 Jahre her – das ist nicht so lange her, aber das kratzt man im Schulunterricht immer nur so an, diesen großen Vielvölkerstaat, die Idee einer großen europäischen Union, die es schon damals gab. Ich will einfach wissen, wie das damals war.

Ist es das, was Sie am Schauspieler-Beruf so fasziniert?

Ja, man eignet sich neue Sachen an und man lernt. Man lernt nie aus! Das ist richtig schön. Das liebe ich.

Mögen Sie denn solche großen Filme?
Man merkt schon, dass bei diesen großen Event-Filmen, diesen Historien-Mehrteilern, ein ganz anderer Aufwand dahintersteckt als bei anderen Filmen. Das fängt nicht nur mit meiner Vorbereitung an, sondern es geht auch um die grandiosen Kulissen, die Kostüme, das Maskenbild. Es ist schön, wenn man mit Leuten zusammenarbeitet, die da so viel Liebe und Energie reinstecken. Das sieht man dem Film dann auch an. Gerade "Das Sacher" – da passt, finde ich, irgendwie alles. Und die schönen Dreharbeiten machen alles rund.

Gab es eigentlich während des Drehs viel Torte zu essen? Die spielte beim Dreh sicher eine Rolle, oder?

Oh ja, die spielte eine Rolle. Wir essen die schon ein paar Mal im Film. (lacht)

Können Sie die jetzt noch sehen beziehungsweise essen?

Jetzt schon, es ist ja einige Zeit vergangen. (lacht)

Als Zuschauer fällt einem bei „Das Sacher“ auf, dass sehr viele bekannte Gesichter dabei sind.

Der Film ist bis in die kleinste Rolle fantastisch besetzt. Daran sieht man auch, dass die Bücher toll waren. Wenn man als Darsteller ein Drehbuch bekommt, ist das das Erste, woran man sich klammert. Ich sage immer: Das Drehbuch ist unsere Bibel. Und wenn man sieht, wer bei „Das Sacher“ alles mitmacht, auch weil einfach jeder mitwirken wollte … Das ist ganz grandioser Ensemble-Film.

Spielt es denn für Sie eine Rolle, welche Kollegen bei einem Projekt dabei sind?
Ja, das frage ich schon. Ich frage immer nach Regie und Kamera – und nach Kollegen.

Würden Sie auch mal einen Film absagen, weil jemand dabei ist, mit dem Sie nicht arbeiten wollen?
Das ist noch nie vorgekommen, zum Glück. Ich komme mit allen klar. Ich hoffe, die auch mit mir. (lacht)

Sie sind gerade 31 geworden. Sie haben ja schon sehr früh mit der Schauspielerei angefangen – blickt man da schon mal zurück?

Eigentlich nicht. Das kann man ja auch immer mal wieder zwischendurch machen. Ich habe meinen 30. Geburtstag nicht als den nächsten großen Schritt wahrgenommen, ich war zu der Zeit einfach nur am Arbeiten. Und man vergisst ganz schnell, dass man 30 geworden ist, wenn man eine 18-Jährige spielt. Es ist ja nur eine Zahl. Ich habe immer gesagt, ich finde, mit 30 ist man fertig und irgendwie erwachsen. Aber das war ich auch schon mit 29 und das bin ich auch noch mit 31.

Kommen nach der vielen Arbeit denn jetzt erst mal wieder ruhigere Zeiten?

Ja, ich glaube schon. Ich nehme mir mal ein bisschen drehfrei, mindestens die ersten zwei, drei Monate des Jahres. Ich versuche auch wegzufahren, vielleicht ein bisschen weiter weg. Wenn man wirklich sechs oder acht Wochen am Stück Zeit hat, lohnt sich auch eine Reise ans andere Ende der Welt. Das ist jedenfalls geplant … Aber bei mir ist es auch so: Ich plane immer und dann kommt doch wieder eine tolle Anfrage, bei der ich nicht Nein sagen kann. Es ist halt ein sehr spontanes Leben.

Sie haben Kinofilme gemacht, TV-Serien gedreht, synchronisiert. Was mögen Sie am liebsten?

Ich bin so dankbar für das, was ich alles ausprobieren darf, dass ich meine Fühler überallhin ausstrecken darf. Ich mag das Medium Film und Fernsehen – Geschichten zu erzählen, egal ob ich vor der Kamera stehe oder einer Trickfilmfigur meine Stimme leihe. Da gibt es nichts, was ich in einem Ranking auf Platz eins setzen würde. Das läuft alles (klopft auf Holz) ganz toll in den vergangenen Jahren. Da muss man demütig bleiben, denn das ist nicht selbstverständlich.

Gab es trotzdem ein Projekt, von dem Sie sagen würden, es hat Sie am meisten vorangebracht?

Der erste große Schritt war „Adlon“, weil das einfach weg von der Comedy-Schiene war, weg von „Türkisch für Anfänger“. Das war sozusagen der Öffner für alles, was ich danach gemacht habe. Aber alle meine Projekt sind irgendwie meine Babys. Man kann „Adlon“, „Das Sacher“, „Die Hebamme“ oder „Die Pilgerin“ nicht miteinander vergleichen, das sind unterschiedliche Geschichten, unterschiedliche Figuren, unterschiedliche Macher. Die stehen alle auf Platz eins.

Zur Person

Josefine Preuß (31) startete ihre TV-Karriere mit der Kinder-Serie "Schloss Einstein". Richtig bekannt wurde sie dank "Türkisch für Anfänger, in dem ARD-Format war sie an der Seite von Elyas M'Barek zu sehen. Preuß ist außerdem Synchronsprecherin und spricht auch Hörbücher ein. Sie lebt in Berlin. Teil eins von "Das Sacher. In bester Gesellschaft" läuft am 16. Januar 2017 um 20.15 Uhr im ZDF, Teil zwei am 18. Januar.

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